Zum Hauptinhalt springen

"Lotse" Djukanovic verkündet Abgang

Von WZ-Korrespondent Christian Wehrschütz

Politik

Montenegros Ministerpräsident verzichtet auf Amt. | Belgrad. "Der Lotse geht von Bord" - so beschrieb eine britische Karikatur den von Kaiser Wilhelm 1890 provozierten Rücktritt von Otto von Bismarck, dem Architekten der kleindeutschen Lösung bei der Einigung Deutschlands unter preußischer Führung. Mit Bismarck ist Montenegro durch aus in historischer Weise verbunden, wurde doch die staatliche Selbständigkeit des Fürstentums 1878 beim Berliner Kongress von den europäischen Großmächten bestätigt. Ähnlich wie Bismarck, wenn auch in viel kleinerem Maßstab, hat Milo Djukanovic für Montenegro eine staatsbildende Rolle gespielt.


#Strahlender Sieger

Milo Djukanovics größter politischer Erfolg war denn wohl auch das Referendum Ende Mai, mit dem er Montenegro in jene Unabhängigkeit führen konnte, die nach dem Ersten Weltkrieg mit dem Anschluss an Serbien verlorenen gegangen war. Diese Wiederherstellung der Staatlichkeit hat der 44-jährige Djukanovic über Jahre hinweg und gegen den massiven Widerstand Serbiens und der EU zu erreichen vermocht. Die im September folgende Parlamentswahl brachte seiner Koalition aus der Demokratischen Partei der Sozialisten (DPS) und den Sozialdemokraten wieder die absolute Mehrheit.

Bereits damals hatte Djukanovic inoffiziell seinen Willen geäußert, sich nach mehr als 15 Jahren an der Spitze Montenegros aus der Politik zurückzuziehen. Diesen Willen setzte er nun gegen den Widerstand seiner Partei DPS um und verzichtete auf ein weiteres Regierungsmandat. Als ein möglicher Nachfolger gilt der noch jüngere Finanzminister Igor Luksic, doch ist diese Frage offensichtlich noch nicht geklärt. Parteichef will Djukanovic jedenfalls bis auf weiteres bleiben und sich darüber hinaus seinen privaten Geschäften widmen.

Milo Djukanovic hat sein ganzes bisheriges Leben in der Politik verbracht. Als getreuer Gefolgsmann Slobodan Milosevics wurde er im Feburar 1991 im Alter von erst 29 Jahren Ministerpräsident Montenegros. Als Milosevics Stern zu sinken begann setzte sich auch Djukanovic von ihm ab und 1998 erfolgte der endgültige Bruch, der auch zur Parteispaltung in Montenegro führte. Djukanovic blieb innerparteilich wie bei den Wahlen Sieger, begann mit Reformen und wurde als Kritiker von Milosevic zunächst Liebkind des Westens.

Nach Milosevics Sturz änderte sich dies, denn vor allem die EU lehnt zunächst die weitere Loslösung Montenegros ab. Djukanovic mussten jedenfalls vorläufig einem Staatenbund mit Serbien zustimmen, doch bei der Parlamentswahl im Jänner 2003 gewann sein Koalition die absolute Mehrheit. Die folgenden vier Jahre nutzte "Milo" für ernsthafte Reformen und für eine gründliche Vorbereitung des Referendums, das schließlich die Unabhängigkeit brachte.