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Lotterien-Anteil geht an Casinos

Von Karl Leban

Wirtschaft

Nowotny: Bewerbe mich bei Notenbank. | Roberts ab 2008 neuer Bawag-Boss. | Wien. Am Dienstag hat die Bawag offiziell gemacht, was zuvor schon durchgesickert war: Bankchef Ewald Nowotny geht mit Jahresende, ihm folgt der Brite David Roberts per 1. Jänner 2008 nach.


Als Mitglied zieht Roberts - er wurde vor vier Monaten von Cerberus, dem neuen Eigentümer der Bawag, als Sonderberater des Vorstands nach Wien entsandt - bereits heute, Mittwoch, in die Führungsetage der ehemaligen Gewerkschaftsbank ein. Dies gab Bawag-Präsident Wulf von Schimmelmann in einem Pressegespräch bekannt.

Nowotny selbst wird sich, wie er ankündigte, um das Amt des Nationalbank-Gouverneurs bewerben. Klaus Liebscher geht Ende August 2008 in Pension. Nowotny gilt als heißester Kandidat.

In der fünftgrößten Bank des Landes ist nach dem Eigentümerwechsel im Frühjahr und der vorangegangenen folgenschweren Finanzaffäre derzeit viel im Fluss - nicht nur an der Führungsspitze. Gleichsam am Rande verkündete Nowotny in seiner möglicherweise letzten Pressekonferenz als Bawag-Chef, dass man beschlossen habe, den rund 36-prozentigen Lotterien-Anteil an die Casinos Austria zu verkaufen.

Damit kann die Bank einen weiteren Posten auf ihrer - zuletzt immer länger gewordenen - Verkaufsliste abhaken. In Summe könnte das "Versilbern" der bankfremden Beteiligungen (Bösendorfer, Stiefelkönig), der Immobilien und der Ostbankentöchter in den nächsten Monaten mehr als 1,5 Mrd. Euro Erlös einbringen.

Mehrheit nun bei Casinos

Mit den von der Bawag zugekauften rund 36 Prozent stocken die Casinos Austria - sie hatten ein Vorkaufsrecht - nun auf eine komfortable Mehrheit von rund 70 Prozent auf. Zu welchem Preis sie das Paket erwerben, darüber hüllen sich sowohl die Casinos als auch die Bawag in Schweigen. In Finanzkreisen war der Anteil auf rund 200 Mio. Euro geschätzt worden - auf einen Betrag, den Casinos-General Karl Stoss dem Vernehmen nach aber nicht bereit war zu zahlen. Dass der Anteil an die Casinos ging und andere Interessenten (wie etwa Novomatic) nicht in Betracht gezogen wurden, hat vor allem damit zu tun, dass der Verkauf für die Bawag so wesentlich rascher möglich war. Nowotny: "Auf diese Weise konnten auch Rechtsstreitigkeiten mit ungewissem Ausgang vermieden werden."

Nowotny im AufsichtsratZu den Gründen seines vorzeitigen Abtritts als Bawag-Chef - der Vertrag wäre bis 2012 gelaufen - erklärte Nowotny, dass die Bank nach der schlimmen Krise der letzten beiden Jahre nun eine längerfristige personelle Kontinuität brauche. Künftig wird der 63-Jährige seine Expertise im Bawag-Aufsichtsrat und im internationalen Beirat von Cerberus einbringen. Nowotny: "Ich fühle mich mit der Bank und dem Eigentümer verbunden."

Indes dürfte das Tempo beim Umbau der Bawag unter dem früheren Barclays-Banker Roberts nochmals verschärft werden. Der US-Fonds Cerberus will rasch Ergebnisse sehen. In spätestens sieben Jahren wollen die Amerikaner wieder aussteigen (eventuell über die Börse) und groß Kasse machen.

An einem neuen Business-Plan mit Ertragsvorgaben für die Bank wird gerade gefeilt. Fix ist laut Roberts nur, dass der - bereits im alten Geschäftsplan bis 2011 vorgesehene - Abbau von 400 Mitarbeitern auf ein früheres Zieldatum vorgezogen wird. "Wann das sein wird, diskutieren wir aber noch."