Zum Hauptinhalt springen

Lotto spielen mit dem Nationalteam

Von Simon Rosner

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 9 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Man kann den Fußball auch als ein Spiel der Wahrscheinlichkeiten betrachten. Und vielleicht sollte man diesen Ansatz gerade beim Nationalteam wählen, das gegen Schweden wieder einmal bewies, dass eine Tormöglichkeit nicht zwingend auch eine Torchance sein muss.

Die mangelnde Effizienz hat Österreich bereits die Teilnahme an der WM und am Montag nun erneut einen Sieg gekostet. Es geht dabei gar nicht um Riesenchancen, von denen es in hochqualitativen Spielen, wenn überhaupt, nur sehr wenige gibt. Es geht um aussichtsreiche Gelegenheiten, gute Schusspositionen und Situationen, die in anderen Partien zu Toren führen.

Ein Grund dafür liegt eben auch in der Wahrscheinlichkeit. Zlatan Ibrahimovic gewinnt mit einer Wahrscheinlichkeit von circa 90 Prozent ein Kopfballduell, es war also kein Zufall, dass er auch jenes vor dem 1:1 gewann. Ibrahimovic und Spieler seines Formats (und etwas darunter) werden auch mit einer hohen Wahrscheinlichkeit mit einem Schlenzer vom Sechzehner erfolgreich sein, wie ihn Baumgartlinger versucht hat. Oder mit einem Drehschuss wie bei Arnautovic und Harnik. Nicht, dass diese nie aus solchen Situationen ein Tor machen würden, aber eben sehr selten. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie aus solchen Situationen treffen, ist viel zu niedrig für ihren Anspruch und das Niveau, das sie in anderen Bereichen des Spiels offenbaren. Man kann es auch als mangelnde Qualität im Torabschluss übersetzen, und dieses Manko hat das ÖFB-Team kollektiv. Es lässt sich auch nicht wegtrainieren, und effizientere Spieler sind kaum in Sicht. Länderspiele werden also wohl weiterhin Lotterie bleiben.