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Luftballons für Afrika

Von Radio Afrika

Politik

Die ärmsten Länder der Welt - dabei auch die meisten afrikanischen - dürfen sich freuen. Der Millenniumsgipfel der Vereinten Nationen hat sich mit ihren Problemen intensiv beschäftigt. Es scheint, dass die entwickelten Länder sich diesmal ernsthaft dafür einsetzen wollen, Armut, bewaffnete Konflikte und Seuchen zu beseitigen.


Die am 7. September vom Millenniumgipfel angenommene Deklaration sieht vor, bis zum Jahr 2015 die Zahl der Personen, die von weniger als einen US-Dollar pro Tag leben müssen, sowie derer, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, zu halbieren. Allen Kindern soll es ermöglicht werden, die Grundschule abzuschließen, und die Verbreitung von Krankheiten und AIDS soll gestoppt werden. Das ist aber nicht alles. Bis 2020 sollen die Lebensbedingungen von etwa 100 Millionen Slumbewohnern verbessert werden und die Kluft in der digitalen Entwicklung zwischen den reichen und den armen Ländern geschlossen sein.

Diesen Zielsetzungen stehen manche afrikanische Politiker jedoch skeptisch gegenüber. Noch vor dem Beginn des Millenniumgipfels hat der Präsident der Republik Kongo, Denis Sassou Nguesso, Zweifel geäußert, dass diese Versammlung nur auf Probleme hinweisen wird, ohne sie zu lösen. Zambias Staatschef Frederick Chiluba sah eine Garantie für die politische Stabilität der armen Länder als Voraussetzung für ihre raschere Entwicklung. Daher schlug er vor, die UNO-Mitgliedschaft jedes Staates, dessen Regierung auf verfassungswidrige Weise an die Macht gekommen, zu suspendieren. Doch dieser Vorschlag wurde nicht angenommen.

Einige afrikanische Staatsoberhäupter sind zum Millenniumsgipfel nicht erschienen. Die Präsidenten der Demokratischen Republik Kongo, Laurent Désiré Kabila, und Ugandas, Yoweri Museveni, haben sich wegen der inneren Krisen in ihren Ländern entschuldigt. Auch der libysche Staatschef Muammar el Gaddafi, der sich als Hauptbefürworter des Panafrikanismus betrachtet, ist diesem Gipfel ferngeblieben. In einem Fernsehinterview begründete er seine Entscheidung mit der Behauptung, die Vereinten Nationen seien nur "a big talking shop".

Mehr Hoffnung für die Verwirklichung der Zielsetzungen des Milleniumsgipfels gab die Aussicht zur Reform des Sicherheitsrates, wobei ein ständiger Sitz einem afrikanischen Staat gesichert sein soll. Der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki sagte diesbezüglich, sein Land wolle anderen afrikanischen Staaten keine Konkurrenz machen, sollte jedoch Südafrika dafür gewählt werden, würde seine Regierung es nicht ablehnen.

UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat bereits darauf hingewiesen, dass die Vereinten Nationen in eine "Vertrauenskrise" geraten seien, und fügte hinzu, dass trotz eines "Berges von Resolutionen und Kommuniqués" viele Völker zögern, Hilfe bei der UNO zu suchen, weil für die reichen Staaten die Hilfeleistung ein Mittel zur Rekolonisierung ist. Annan hat bestimmt recht. Er selbst stammt aus Afrika und weiß sehr genau, dass von der bisherigen Hilfe an arme Länder vor allem die reichen Staaten profitiert haben. Daher scheint die Befürchtung, dass die schön formulierten Absichten des Millenniumgipfels nur leere Worte sind, berechtigt zu sein. Wie heißt es doch: Wer von einer Schlange gebissen wurde, hat auch vor einer Eidechse Angst. Dennoch ist Hoffnung angebracht.