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Luftfahrt drohen 2009 Riesenverluste

Von Uwe Gepp

Wirtschaft

IATA erwartet Passagier-Rückgang um 3 Prozent. | Airbus hat Boeing 2008 wohl überholt. | Frankfurt/Main. (ap/red) Die Luftfahrtbranche fliegt in schweren Turbulenzen. Der Branchenverband IATA rechnet, dass die Fluggesellschaften 2009 weltweit 2,5 Mrd. Dollar (1,9 Mrd. Euro) Verlust machen werden. 2008 sind es voraussichtlich sogar 5 Mrd. Dollar. Erstmals seit dem Terrorjahr 2001 dürften die Passagierzahlen 2009 zurückgehen, und zwar um drei Prozent. "Das wird ein Ausnahmejahr, ein Ausreißer nach unten", sagt der Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.


Sogar Lufthansa könnte rote Zahlen schreiben

Die Fluggesellschaften bemühen sich derzeit, die Kapazitäten herunterzufahren. Die Lufthansa stellte vier ältere Airbus vom Typ A300-600 ab und will auf die weitere Marktentwicklung flexibel reagieren. British Airways kappte den Winterflugplan um gut sechs Prozent. Air France KLM legte ein neues Sparprogramm auf. In der Rezession dürften es die führenden europäischen Fluggesellschaften wegen ihres hohen Anteils an Geschäftsreisenden schwerer haben als die Ferien- und Billigflieger, sagt Pieper.

Er sieht sogar ein geringes Risiko, dass die AUA-Mutter Lufthansa in die roten Zahlen rutschen könnte. Wahrscheinlich könnten die beiden Branchenführer Verluste aber vermeiden. British Airways stehe etwas schlechter da: Sie sei weniger ertragsstark und werde stärker von der erwarteten Flaute im Nordatlantikgeschäft getroffen. IATA befürchtet, dass Europas Fluggesellschaften insgesamt eine Milliarde Dollar Verlust einfliegen werden.

Die Krise könnte zu billigeren Flugtickets führen, weil die Auslastung der Maschinen sinke. "Die Preise kommen unter Druck", glaubt Pieper. Der niedrige Ölpreis tue ein übriges.

In der Krise dürfte die Konsolidierung der Branche weitergehen. Lufthansa verleibt sich nach der AUA im Jänner British Midland ein. Air France KLM soll 25 Prozent an der Alitalia übernehmen. British Airways verhandelt noch mit der spanischen Iberia über einen Zusammenschluss, Fusionsgespräche mit der australischen Qantas scheiterten kürzlich. Die skandinavische SAS gilt als nächster Übernahmekandidat.

Heftiger Gegenwind für Airbus und Boeing

Nach einem sehr guten Jahr 2008 mit mehr als 1400 Bestellungen weht den Flugzeugherstellern Airbus und Boeing eisiger Wind ins Gesicht. China hat die staatlichen Fluggesellschaften angewiesen, Bestellungen von Passagierjets mit Auslieferungstermin 2009 zu stornieren oder zu verschieben. Allein Airbus hat 430 Orders aus China in den Büchern stehen. Air France hat angekündigt, Optionen auf den Kauf von Boeing-Langstreckenjets des Typs 777 nicht auszuüben und länger als geplant mit älteren 747 zu fliegen.

2008 bescherte den Herstellern gute Zahlen, die aber weit entfernt vom Rekord 2007 mit mehr als 2700 Bestellungen lagen. 2008 dürfte das europäische Unternehmen Airbus sowohl bei Neuaufträgen als auch bei der Produktion die Nase vor der amerikanischen Boeing gehabt haben.