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Lügen macht nicht glaubwürdiger

Von Christina Böck

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Dass der Streich eines Satireblogs in Deutschland eine Mediendebatte anfacht, damit war nicht zu rechnen. Da gab es in der Vorwoche jene Meldung über den CDU-Politiker Ronald Pofalla, der in den Vorstand der Deutschen Bahn berufen werden soll. Alle seriösen Zeitungen berichteten. Doch dann die Verwirrung: War alles nur erfunden? Hatte doch die Satireseite "Der Postillon" eine entsprechende Meldung vor allen anderen gebracht. Die Auflösung: Der "Postillon" hatte seinen Artikel vordatiert. Stefan Sichermann, der den Blog betreibt, kritisiert im Interview mit dem "Spiegel" die Medienbranche. Viele Zeitungen und Online-Medien schrieben einfach ungeprüft voneinander ab, sagt er. Und: "Ich finde es bezeichnend, wenn die sogenannten seriösen Medien für weniger glaubwürdig gehalten werden als der ,Postillon‘. Vielleicht ist der ,Postillon‘ im Lügen einfach besser als diese im Verbreiten von Wahrheiten."

Nun, so war es ja genau nicht. Denn mit dem Auftritt des "Postillons" in diesem Theater ging ja die Glaubwürdigkeit der Meldung flugs flöten. Daraufhin analysierten Medienexperten, dass Internetnutzer nicht mit Medien umgehen können, weil sie allem newssüchtig und kritiklos nachlaufen. Auf der anderen Seite stehen jene, die Journalisten als feig bezeichnen, weil sie ihre Quellen nicht genauer preisgeben als mit der Bezeichnung "aus gut informierten Kreisen". Das wirft ein schattiges Licht auf die Anforderungen der Medienkompetenz im neuen Medienzeitalter: Zwischen den Polen "Informantenschutz" und "einfach erfunden" liegt offenbar nur noch ein sehr schmaler Grat.