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Luther ein Theologe mit Humor

Von Marion Christa Nickel

Leserforum

Im Rahmen des Reformationsjubiläums 2017 ist es interessant sich dem Menschen Martin Luther auch über seine Zitate zu nähern. Wobei nicht bei allen Sprüchen gesichert ist, dass sie aus seinem Munde stammen. Aber sie werden ihm zugeschrieben, da sie charakteristisch für ihn scheinen.

Er hielt es für wichtig "dem Volk aufs Maul zu schauen". Er war, so würde man heute sagen, thematisch breit aufgestellt. Was der Reformator vor 500 Jahren formulierte war manchmal derb, mitunter humorvoll, oft alltagsnah, manchmal aber auch irritierend despektierlich.

Einige Luther-Zitate:
"Unkraut wächst schnell, daher wachsen die Mädchen schneller als die Knaben.
"Es ist die größte Torheit mit vielen Worten nichts zu sagen."
"Die Musik ist die beste Gottesgabe. Sie ist eine Lehrmeisterin, die Leute gelinder, sanftmütiger und vernünftiger macht."
"Jedermann schneidet gern die Bretter da wo sie am Dünnsten sind, man bohrt nicht gern durch dicke Bretter".
"Man soll feiern, um Gottes Willen."
Und auch "Man kann Gott nicht allein mit Arbeit dienen, sondern auch mit Feiern und Ruhen."

(Ich persönlich finde, es ist schön, wenn man das Leben auch genießen kann, Oasen im Alltag braucht jeder Mensch, um dann wieder seine Pflichten zu tun).

"Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen:"

(Er gilt als einer der bekanntesten und häufig zitierten Sätze des Reformators, auch wenn Martin Luther ihn so wohl nicht gesagt hat: Es ist ein Satz, der gegen die Weltuntergangsstimmung und das "Es wird doch alles immer schlimmer" ein Zeichen der Hoffnung setzen will mit einem tatkräftigen "Trotz alledem" und "Jetzt erst recht").

Aus dem Volksmund kennen wir den Spruch "Humor ist, wenn man trotzdem lacht."
Solch ausgesprochenes "Trotzdem-Lachen" ist bei Luther inmitten seines schweren Lebens immer wieder zu hören.
Die Tiefenebene, auf die sich solch christlicher Humor letztlich berufen darf und soll, bildet Gottes Liebe, die alle Widrigkeiten der Welt erträgt und zu überwinden verspricht. Von daher ließ sich der Reformator von der Realität dieser Welt nicht unterkriegen.

In den Tischreden sind von Martin Luther viele heitere Worte und derbe Scherze überliefert.
Humor ist für Luther von Anfang an ein theologisches Thema gewesen, das die Dramatik seines ganzen Weltbildes umfasst. So erläutert er selbst: "Wenn ich den Teufel nicht mit ernsten Worten und mit der Schrift in die Flucht schlagen konnte, habe ich ihn oft verjagt durch Possenreisserei."

Luthers Humor dürfte darin begründet liegen, dass kaum jemand radikaler als Luther verstanden hatte, was der Apostel Paulus mit seiner Rechtfertigungsbotschaft meinte: den Freispruch im zukünftigen Endgericht für jeden, der an Jesus Christus glaubt und getauft wird - ein Freispruch, der bereits in die Gegenwart hinein wirkt. Der Reformator kann daher noch lachen, wo anderen das Lachen vergeht, weil er seinen Standpunkt in der Ewigkeit findet, nämlich jenseits des Jüngsten Gerichts (vgl. Johannes Evangelium 5,24). Er nimmt die Begnadigung im Jüngsten Gericht ebenso vorweg, wie das ihr entsprechende, verheißene Lachen. So speist sich Humor und Lachen eines freien Christenmenschen aus dem Frieden, der ihm von Gott geschenkt worden ist.