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"Mach er Mir tüchtige Officirs!"

Von Walter Hämmerle

Politik

Bundespräsident Thomas Klestil, Verteidigungsminister Herbert Scheibner und militärische Delegationen aus zwölf Ländern stehen an der Spitze all jener, die heute und morgen der Theresianischen Militärakademie zum 250-Jahr-Jubiläum gratulieren. Mit dem beim Österreichischen Bundesheer legendär gewordenen Satz "Mach er Mir tüchtige Officirs und rechtschaffene Männer darauß!" schickte Kaiserin Maria Theresia General-Feldzeugmeister Graf Daun daran, die bis dahin bestehenden Defizite in der Offiziersausbildung zu beenden.


"Aus der Erfahrung weiß man, dass die Güte der Truppen einzig und allein in dem Werte ihrer Offiziere besteht." Friedrich der Große (1712 - 1786) wusste, wovon er sprach - er verfügte über genug einschlägige Erfahrung. Kriege wurden in jener Zeit um begrenzte Ziele mit begrenzten Mitteln geführt. Denn der Sieg um jeden Preis lag nicht mehr - und nicht schon wieder - im Interesse der Politik. Napoleon wird der Satz zugeschrieben, er brauche keine Generäle mit Talent, sondern mit Glück. Die Kriege seiner Zeit kosteten Europa 2,880.000 allein an militärischen Opfern.

Aber die Fürsten Europas wollten durch ihre Kriege, vorausgesetzt sie siegten, vor allem reicher und nicht ärmer werden. Strategie und Taktik gewannen die Oberhand über tollkühne, aber riskante Manöver. Dies verlangte den Heerführern und Offizieren neue Qualifikationen ab.

Begrenztes Risiko verlangt nach Qualifikation

Also gründete Kaiserin Maria Theresia (1717-1780) mit Entschließung vom 14. Dezember 1751 eine Militärakademie. Dass diese heute ihren Namen trägt, verdankt sie Kaiser Franz Josef: 1894 verlieh er der Akademie in Erinnerung an die Stifterin den Titel "Theresianische Militärakademie".

Zum Auftakt des Lehrbetriebs im November 1752 rückten rund 200 Kadetten - in erster Linie Aristokraten- und Offizierssprösslinge - in die ehemalige Babenberger Burg in Wr. Neustadt ein, die von nun an bis 1918 die zentrale Ausbildungsstätte für kaiserlicher Offiziere bleiben sollte. In den vergangenen 250 Jahren hat die MilAk mehr als 15.700 Offiziere ausgemustert.

Ihr erster Kommandant war Leopold Josef Graf Daun (1705-1766). Möglich, dass ihn Friedrich II. im Sinne hatte, als er vom Wert der Offiziere sprach. Schließlich behielt Daun im Siebenjährigen Krieg die Oberhand über den ehrgeizigen Nachbarn. Sein kühl kalkulierender Kriegsstil trug ihm in Anlehnung an ein römisches Vorbild den Beinamen "Zauderer" ein. Unter Daun lag der Ausbildungsschwerpunkt auf den Fächern Exerzieren, Fechten, Reiten, Befestigungslehre, Arithmetik, Geographie und Fremdsprachen.

Die Ausbildungszeit wurde im Laufe der Zeit ständig reduziert: Betrug sie zu Anfang noch 11 Jahre, wurde sie bei einem Eintrittsalter von 10-12 Jahren 1806 auf 8 Jahre verkürzt, 1852 auf 4 Jahre und 1874 auf 3 Jahre. Im langjährigen Schnitt absolvierten rund 400 Zöglinge die Akademie jährlich, wobei jedoch während des Ersten Weltkrieges gleich mehrere Ausmusterungen im Jahre erfolgten. Der Bedarf an Offizieren war eben hoch.

Die Niederlage Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg brachte nicht nur das Ende des habsburgischen Vielvölkerimperiums, sondern vorübergehend auch der Militärakademie in Wr. Neustadt. Zwischen 1920 und 1933 fand die Offiziersausbildung an der Heeresschule in Enns statt. Das darauf folgende Jahr sah die Wiedererrichtung der Theresianischen Akademie in Wr. Neustadt. Die erste Ausmusterung in der Zwischenkriegszeit erfolgte im Herbst 1934. Die Lehrgegenstände damals: Gefechtslehre, praktische Infanterieausbildung, Gaskampf, allgemeine Dienst- und Standesvorschriften, Staatsbürgerkunde, Kriegsgeschichte, Pädagogik und wiederum Fremdsprachen.

Am 2. September 1938 wurde der letzte Jahrgang als Oberfähnrich auf den "Führer" vereidigt. Nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland wurden die Militärakademiker in die Deutsche Wehrmacht übernommen. Während des II. Weltkrieges fand die Burg als Kriegsschule bzw. zeitweise Unteroffiziersschule für die Wehrmacht Verwendung.

1945, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, erlebte zwar Österreich als Staat seine Wiederauferstehung, zur Wiedererrichtung einer militärischen Infrastruktur fehlte ihm jedoch die volle Souveränität. 1955 wurde mit dieser auch die Militärakademie wieder ins Leben gerufen, abermals im oberösterreichischen Enns, da aufgrund der schweren Bombenschäden aus Jahr 1945 die Burg in Wr. Neustadt erst 1958 wieder für die MilAk zur Verfügung stand. Die ersten Absolventen in der 2. Republik musterten schon 1956 musterten aus. 1998 wurde die Offiziersausbildung als Fachhochschule mit dem Studiengang "Militärische Führung" anerkannt, an dessen Aufbau der seit 1999 amtierende Kommandant Divisionär Karl-Heinz Fitzal wesentlichen Anteil hatte. 2000 verließen die ersten "Magistri (FH) Militärische Führung" die MilAk.

In einer ganz besonderen Hinsicht hielt sich das Bundesheer jedoch nicht an den Spruch, der an der Wiege seiner Offiziersausbildung stand: Heute dreht sich nicht mehr alles nur um "tüchtige Officire und rechtschaffene Männer", denn seit 2000 sind auch Frauen zur Offiziersausbildung zugelassen. Im kommenden Jahr werden die ersten vier weiblichen Leutnants ausgemustert - mit, laut Fitzal, "langsam steigender Tendenz" sogar.

Feierlichkeiten zum 250-Jahr-Jubiläum

Heute und morgen findet die Ausmusterung bzw. Sponsion der frischerkorenen Leutnante in Wiener Neustadt statt. Die Feierlichkeiten werden ganz im Zeichen des 250-jährigen Jubiläums stehen. Neben dem Oberbefehlshaber des Bundesheeres, Bundespräsident Thomas Klestil, und Verteidigungsminister Herbert Scheibner werden auch hochrangige militärische Delegationen aus 12 Ländern der altehrwürdigen Institution ihre Reverenz erweisen.