Zum Hauptinhalt springen

Macho-Sprüche im Tokioter Parlament

Von Alexander U. Mathé

Kommentare

Sexistische Angriffe auf eine junge Abgeordnete haben in Japan für Entrüstung gesorgt.


Gleich ihr erster Auftritt im Tokioter Parlament geriet zum landesweiten Skandal, doch dafür konnte die junge Abgeordnete Ayaka Shiomura eigentlich gar nichts. Nach einem Jahr im Amt erhielt die 35-Jährige vergangene Woche die Gelegenheit, in einer offiziellen Fragestunde aufzutreten. Sichtlich nervös, doch mit Nachdruck forderte sie, dass die Hauptstadt Mütter und Schwangere besser unterstützen soll. Was dann folgte, erschütterte nicht nur Shiomura, sondern auch die japanische Öffentlichkeit. "Du solltest einmal heiraten", rief ihr einer der Abgeordneten zu. Als sie vorschlug, unfruchtbaren Frauen mehr zu helfen, fragte ein anderer: "Kannst du überhaupt Kinder kriegen?" Doch mehr noch als die unqualifizierten Zwischenrufe haben Shiomura die Reaktionen generell darauf gekränkt. Die Wirtshaussager wurden nämlich einerseits von hämischem Gelächter begleitet; andererseits schritt kein einziges Mitglied des Stadtparlaments ein. Auch nicht, als Shiomura bat, die Kollegen zur Ordnung zu rufen. Der Antrag wurde abgelehnt, weil sie nicht genau sagen konnte, um wen es sich handelte. Sie habe sich ausgestoßen gefühlt, sagte die Abgeordnete des Parlaments mit einer Männerquote von 80 Prozent. Nach Bekanntwerden wehte ein Sturm der Entrüstung über Japan. Inzwischen hat sich einer der Zwischenrufer gestellt und öffentlich bei Shiomura entschuldigt. Besonders brisant dabei: Er ist Mitglied der liberaldemokratischen Partei von Premierminister Shinzo Abe. Offenbar hat der Abgeordnete dessen Politik noch nicht so ganz verinnerlicht. Abe - der sich auch entschuldigte - hat nämlich Frauen als maßgebliche Stütze seiner Wirtschaftspolitik bezeichnet. Die unterstütze sie, erklärte Shiomura, allerdings hege sie gewisse Zweifel, dass Männer geeignet seien, diese Politik zu machen.