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Machtkampf in Blau: Ewald Stadler allein auf weiter Flur

Von Walter Hämmerle

Analysen

Auftakt zur Klubklausur der FPÖ. | Gespräch Straches mit Stadler geplant. | Wien. Innerparteilicher Machtkampf, Sturm im Wasserglas oder gegnerische Intrige: Die Aufregung um Jugendfotos von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, die ihn im Military-Look beim Kriegsspiel zeigen, lässt viel Raum für Interpretationen. Hinzu kommt, dass in der Politik der Hahnenkampf zweier Alphatiere - in diesem Fall Strache versus Ewald Stadler - über eine ganz besondere Anziehungskraft verfügt. Kein Wunder, dass die Dienstag in Waidhofen an der Ybbs beginnende zweitägige Klubklausur unter besonderer Beobachtung steht.


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Dennoch: Von einer neuerlichen Spaltung der FPÖ, von einem zweiten Knittelfeld, kann derzeit keine Rede sein. Kommentatoren, die ein solches Szenario am Horizont auszumachen glauben, täuschen sich gründlich in der Natur der FPÖ-Neu unter Strache.

Stadler mag seinem Obmann medial und rhetorisch Paroli bieten können, intern kämpft er allein auf weiter Flur. Er verfügt über keine abstimmungsrelevante Hausmacht in der FPÖ.

Das hat zum einen mit der Überzeugung zu tun, dass mit Stadler und seinem konservativ-katholischen Kurs keine Wahlen zu gewinnen sind. Zum anderen scheint Strache - zusätzlich zu seinen Wahlkampfqualitäten und im Unterschied zu Stadler und auch zum ehemaligen FPÖ-Übervater Jörg Haider - über eine soziale Kompetenz zu verfügen, die dazu führt, dass sich die Partei in Krisenzeiten loyal um ihren Obmann schart.

Ein Gespräch Straches mit Stadler in Waidhofen wird wohl mit einem vorübergehenden Waffenstillstand enden. Die FPÖ hat kein - und schon gar kein finanzielles - Interesse, Stadler durch einen Ausschluss zum Märtyrer zu machen. Und einen Parteiaustritt hat der Ex-Volksanwalt selbst bereits wiederholt ausgeschlossen.

Eine ganz andere Frage ist, welchen Schaden die Foto-Affäre für die mühsamen Versuche der FPÖ bedeuten, sich als eine "normale" rechtspopulistische Partei mit linkspopulistischen Einschlägen zu positionieren. Bilder, die Assoziationen zur Neonazi-Szene zulassen, ja sogar nahelegen, sind für ein solches Unterfangen zweifellos fatal.