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Machtpoker um ÖVP-Chefsessel

Von Christian Mayr

Politik

Kür des neuen Obmanns dürfte im Parteivorstand vertagt werden. | Gibt es lachenden Dritten im Duell Maier vs. Himmer? | Wien. Die Entscheidung, wer Johannes Hahn als Wiener ÖVP-Obmann und Spitzenkandidat für die Gemeinderatswahl 2010 folgt, dürfte vorerst vertagt sein. Im Vorfeld des für Montag Abend angesetzten Landesparteivorstands hieß es von der Parteispitze, dass zunächst ein Komitee Vorschläge für die Hahn-Nachfolge machen soll - und zwar innerhalb von 14 Tagen. Diese Lösung ist nicht nur Wunsch des angehenden EU-Kommissars und Noch-Obmanns Hahn, sondern auch der Vorschlag des 18-köpfigen Parteipräsidiums an den Landesparteivorstand.


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Hahn begründete diese Lösung damit, dass keine Notwendigkeit bestehe, übereilt zu handeln. Immerhin sei es noch nicht einmal eine Woche her, dass er von der Regierung zum EU-Kommissar nominiert worden sei. Zugleich bekräftigte er aber, die Entscheidung "sehr schnell herbeiführen" zu wollen, wobei er sich erneut auf keine Namen einließ. Nur soviel: "Dafür gibt es einige sehr gut geeignete Kandidaten. Entgegen anders lautenden Gerüchten Gott sei Dank auch mehrere, die für das Amt Interesse haben."

Derzeit läuft alles auf ein Duell zwischen dem Nationalratsabgeordneten Ferdinand "Ferry" Maier (59) und den Bundesrat Harry Himmer (44) hinaus. Wobei beide für zwei verschiedene Wege stehen: Maier würde nur Obmann werden und zu einem späteren Zeitpunkt einen - wohl weiblichen - Spitzenkandidaten für die Wahl im Oktober 2010 präsentieren; Himmer hingegen würde beide Positionen in seiner Person vereinen. "Die Sympathien für beide Kandidaten gehen derzeit quer durch Bünde und Bezirke", fasst es ein hochrangiges Parteimitglied gegenüber der "Wiener Zeitung" zusammen. Dieser erwartet am Ende eine einheitliche Lösung denn eine Zerreißprobe für die Partei. Also ein lachender Dritter? "Der muss aber erst gefunden werden", so die lakonische Antwort.

Tiller für Kompromiss

En gros gesagt, haben sich hinter Raiffeisen-Generalsekretär Maier sowohl Wirtschafts- als auch Bauernbund und teilweise auch einflussreiche Bezirke postiert. Außer der City um Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel ist dies vor allem Döbling mit dem mächtigen Polit-Urgestein Adi Tiller. Er unterstützt Maier, weil dieser langjährige Erfahrung mitbringe und sich nun "für die Partei opfert". Ein späterer Spitzenkandidat könne dann aber durchaus wieder "beide Ämter übernehmen", stellt Tiller in Aussicht.

Himmer, der Österreich-Generaldirektor des Telekommunikationsausrüsters Alcatel-Lucent ist, weiß derzeit vor allem den Arbeitnehmerflügel ÖAAB und die Junge ÖVP hinter sich. Hahn-Stellvertreter und JVP-Chef Sebastian Kurz deklariert sich eindeutig zweideutig: "Wir wollen jemanden, der jung im Kopf ist und ein Gespür für junge Leute hat. Und einen Landesobmann, der auch bereit ist, selbst Spitzenkandidat zu sein." Letzteres wäre derzeit nur Himmer, der laut gut informierten Parteikreisen aber nicht auf die Zustimmung von Bundesparteichef Josef Pröll zählen kann; dieser will ja - wie berichtet - eine Frau für den Wien-Wahlkampf. Tiller lässt Himmer freilich eine Option offen: "Er kann durchaus unser Spitzenkandidat werden, aber dann muss er seinen Beruf aufgeben und ein Jahr lang unterwegs sein, um bekannt zu werden."

Hinter vorgehaltener Hand äußern Funktionäre auch ein gewichtiges Gegenargument zu einem Parteichef Maier: "Wie schaut denn das aus, wenn ein Raiffeisen-General die Partei führt? Würde ein Bank-Austria-Manager die Wiener SPÖ übernehmen, würden wir uns ja auch maßlos darüber aufregen."

Gibt es keine Einigung, könnte vorerst einer der vier Hahn-Stellvertreter interimistisch die Parteigeschäfte weiterführen.