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Macri und der "Schatten des Kriegers"

Von Konstanze Walther

Wirtschaft

Der Präsident Argentiniens Mauricio Macri scheint zweimal in den "Panama Papers" auf. Sein Vater hatte an öffentlichen Aufträgen verdient.


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Buenos Aires. Es gibt zwischen Buenos Aires und Panama Stadt keine Direktflüge, die kürzeste Flugverbindung über Kolumbien beläuft sich mit Umsteigen noch immer auf rund neun Stunden Reisezeit - so lang braucht man auch von Wien nach Washington. Panama ist auch von Argentinien aus gesehen nicht um die Ecke.

Trotzdem finden sich viele argentinische Namen unter der Klientel, die in der mittelamerikanischen Steueroase ihr Geld verstaut hat und die unter dem Schlagwort "Panama Papers" zu Wochenbeginn öffentlich geworden ist.

Neben dem in Europa bekanntesten Argentinier, dem Fußballer Lionel Messi, gehören dazu viele Namen aus dem Umfeld des Kirchnerismus - der linksgerichteten politischen Strömung, die in den vergangenen sieben Jahren den Präsidenten gestellt hat und sich an den Personen Nestor Kirchner und seiner Frau und Nachfolgerin Cristina Kirchner festmachen. Nestor Kirchners Privatsekretär hat offenbar in bzw. über Panama veranlagt. Geschäftsleute im Umfeld von Cristina haben dasselbe gemacht.

Dem Kirchnerismus wurde schon fast so lange, wie er an der Macht war, Korruption vorgeworfen. Vergangenes Jahr wurde der Kirchnerismus abgewählt und mit dem ehemaligen Bürgermeister von Buenos Aires, Mauricio Macri, ist seit langem wieder eine konservative Kraft in der Casa Rosada, dem Präsidentensitz.

Der Wahlkampf Macris lässt sich auf drei Säulen herunterbrechen: Er versprach, die unter den Kirchners eingeführte Sozialpolitik weiter zu führen, aber wirtschaftliche Reformen einzuleiten, um das Land auf den internationalen Finanzmärkten wieder salonfähig zu machen - und Macri versprach auch, nach Jahren der verkrusteten Strukturen unter dem Ehepaar Kirchner, Transparenz hochzuhalten und die Korruption zu bekämpfen.

Es ist eine Eigenwilligkeit der Geschichte, dass ausgerechnet Saubermänner oft von den Geistern, die sie bekämpfen, eingeholt werden. Und so scheint Mauricio Macris Namen nicht einmal, sondern sogar zweimal bei den geleakten Panama-Papers auf.

Zweimal den Vater als Direktor

Die Kanzlei Mossack Fonseca hat für die Familie Macri die Briefkastenfirma "Fleg Trading Ltd." auf den Bahamas konstruiert; Mauricio Macri scheint als Co-Direktor zusammen mit seinem Vater Francesco ("Franco") und seinem Bruder Mariano auf, die Gesellschaft wurde 1998 gegründet und schon 2000 wieder geschlossen. Aber laut jüngsten Informationen der Tageszeitung "El Clarín" kommt Macris Namen auch in den Unterlagen einer anderen Schattenfirma in Panama vor, die auf den Namen Kagemusha S.A. lautet: Macris Vater, Franco Macri, hat die Gesellschaft 1981 gegründet und scheint als Präsident auf, sein Sohn Mauricio als Vizepräsident und ein weiterer Sohn, Gianfranco, als geschäftsführender Leiter.

Der Name der Gesellschaft, deren Stammeinlage mit zehntausend US-Dollar dotiert war, "Kagemusha", ist besonders eigentümlich. Denn es ist der gleichlautende Titel eines japanischen Films, der ein Jahr davor in den Kinos gelaufen war - und übersetzt bedeutet er "der Schatten des Kriegers". Es ist die Geschichte eines Diebes, der eine falsche Identität annimmt. Keine gute Assoziation für einen Präsidenten, der Transparenz nach außen für so wichtig hält.

Laut der argentinischen Regierung wurde die Gesellschaft Kagemusha schon vor Jahren verkauft, wenngleich man diesen Zeitraum nicht präzisieren kann. Die Gesellschaft existiert weiterhin und die Namen Macris scheinen weiterhin den Papieren Kagemushas auf, laut der Regierung, weil die neuen Eigentümer anscheinend "den Aktienwechsel noch nicht vollzogen haben".

Vermögen außer Landes

Ganz sicher ist man sich am Regierungssitz in Buenos Aires aber über eine andere Tatsache: Mauricio Macri hat "niemals Dividenden oder andere Bezüge" von dieser Gesellschaft erhalten.

Auch von der Briefkastenfirma auf den Bahamas, Fleg Trading, soll Mauricio Macri nie einen Geldwert für seine Funktion als Co-Direktor erhalten haben. Damit wäre Mauricio Macri nicht verpflichtet, die Existenz der Firmen oder seine Funktion bei ihnen offenzulegen. Alles ganz legal.

Was bleibt, ist, dass auf das Vermögen der Macri Dynastie ein Schlaglicht geworfen wurde, und auf ihre offenbare Notwendigkeit, Vermögen über die Kanzlei Mossack Fonseca mehr als neun Stunden entfernt auf die eine oder andere Form zu verwalten.

Und das Vermögen kann sich sehen lassen. Franco Macri deckt mit im für den lateinamerikanischen Kontinent typischen Portfolio-Mix alles von Baugewerbe über Automobil-Industrie, Flugzeuge, bargeldlosen Zahlungsmitteln, Müllentsorgung bis hin zur Nahrungsmittel-Industrie ab. Insbesondere zu Zeiten der Diktatur (1976 bis 1983) soll Macri senior von öffentlichen Aufträgen profitiert haben - und so konnte erfolgreich expandieren.