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Magna auf den Spuren der Strabag

Von Harald Waiglein

Wirtschaft

Deripaska zahlt 1,54 Milliarden | Dollar für Einstieg. | Gemeinsam mit Stronach zwei Drittel der Stimmrechte. | Bündnis mit | dem russischen | Autobauer GAZ. | Toronto/Wien. Der russische Aluminium-Milliardär Oleg Deripaska ist weiterhin auf Einkaufstour: Nachdem er sich erst vor zwei Wochen mit 30 Prozent am heimischen Baukonzern Strabag beteiligt hat, zahlt er nun 1,54 Milliarden Dollar für eine wesentliche Beteiligung am Magna-Konzern des Austro-Kanadiers Frank Stronach.


Wie groß Deripaskas Anteil an Magna genau sein wird, ist nicht einfach zu beantworten. Denn bei Magna gibt es zwei Arten von Aktien: Class A (mit einem Stimmrecht pro Aktie) und Class B (mit 500 Stimmrechten pro Aktie). Mit 726.000 von insgesamt etwa einer Million Class-B-Aktien übt der Stronach-Trust derzeit völlige Kontrolle über Magna aus. Daneben gibt es rund 110 Millionen Class-A-Aktien.

Konkret soll Deripaska für sein Geld 20,6 Millionen der Class-A-Aktien erhalten. Diese werden gemeinsam mit den Class-B-Aktien des Stronach-Trusts in eine neu zu schaffende Holding namens "Newco" eingebracht, wobei die Stronachs Stimmrechte mit 300 pro Aktie beschränkt werden. Auch die Magna-Konzernchefs Don Walker und Siegfried Wolf werden darüberhinaus ihre Aktien in die Newco einbringen.

Newco-Stimmrechte

Vince Galifi, Finanz-Vorstand von Magna, erläutert, dass nach der Transaktion alle 110 Millionen Class-A-Aktien gemeinsam nur etwa ein Drittel der Stimmrechte an Magna haben werden. Newco werde also völlige Kontrolle über Magna haben, so, wie sie der Stronach Trust schon bisher ausgeübt hat.

In Newco selbst sind die Stimmrechte laut Siegfried Wolf so verteilt: Deripaska und Stronach haben je 43 Prozent, während Wolf und Walker je 7 Prozent halten. Unterm Strich kann man aus diesen Zahlen nur soviel ableiten: Newco wird mehr als zwei Drittel von Magna kontrollieren.

Was den Verwaltungsrat betrifft: Von den 14 Personen dürfen Deripaska und Stronach je 6 nominieren. Die übrigen zwei Plätze nehmen die beiden Konzernchefs ein.

Der Deal hat eine bedeutende strategische Komponente: Deripaska steigt nämlich über seine Tochterfirma Russian Machines bei Magna ein. Russian Machines ist wiederum an der GAZ-Gruppe, dem zweitgrößten Autohersteller Russlands, beteiligt.

Die GAZ (die Abkürzung steht für "Gorky Automobilfabrik") wurde 1929 als Kooperation zwischen der Sowjetunion und dem US-Autokonzern Ford gegründet. Damals stellte sie russische Varianten des Ford Model A her. Heute produziert der Konzern Lastwagen, Busse, PKW und Geländewagen und hat in Russland einen Marktanteil von 16 Prozent. Im vergangenen Herbst hat Magna ein Kooperationsabkommen mit GAZ geschlossen.

Pikant dabei ist, dass Magna vor kurzem auch ein Kooperationsabkommen mit der Nummer eins auf dem russischen Markt abgeschlossen hat. Der Konzern Avtovaz hat einen Marktanteil von 62 Prozent. Magna soll für ihn einen Mittelklasse-Wagen entwickeln. Wie Avtovaz auf die neue Entwicklung reagieren wird, wird sich noch zeigen.

Magna-Präsident Frank Stronach spricht von einer "aufregenden Gelegenheit" für sein Unternehmen. Der russische Markt zähle zu den am schnellsten wachsenden der Welt. Allein im letzten Jahr betrug das Wachstum 20 Prozent, auf 2,1 Millionen Fahrzeuge. Bis 2010 sollen noch einmal 50 Prozent dazukommen.

Manche Experten sind der Meinung, die Partnerschaft mit GAZ könnte Magna auch den Einstieg bei Chrysler erleichtern. GAZ adaptiert nämlich Chrysler-Fahrzeuge für den russischen Markt. Von Magna gibt es zum Thema Chrysler nur soviel: Frank Stronach bekräftigt seine Absicht, ein Kaufangebot zu legen. Medienberichten zufolge plant Magna, gemeinsam mit dem Finanzpartner Onex je 40 Prozent zu kaufen, die restlichen 20 Prozent sollen bei Daimler bleiben.