Zum Hauptinhalt springen

Magna fertigt trotz Mini-Aus weiter für BMW

Von Alexander Dworzak

Wirtschaft

Kleinwagen der Bayern wird noch fünf bis zehn Jahre in Graz produziert.


Graz/München. Ein Modellwechsel kündigt sich in den Grazer Produktionshallen von Magna Steyr an. Der bayerische Autobauer BMW zieht die Herstellung von Fahrzeugen seiner Tochter Mini aus der Steiermark ab. Trostpflaster für den Konzern von Neo-Politiker Frank Stronach: Im Gegenzug werde künftig ein anderes Auto der BMW Group in Graz vom Band rollen, so Nikolai Glies, Sprecher von BMW, gegenüber der "Wiener Zeitung" - was man bei Magna am Dienstag weder bestätigen noch dementieren wollte.

Seit 2010 wird der Stadt-Geländewagen Mini Countryman in Graz produziert, heuer folgt dessen Coupévariante Paceman. "Das wird in den nächsten Jahren so bleiben", erklärt Glies. Mittelfristig - in fünf bis zehn Jahren - werde die Produktion aber wohl aus Graz verlegt. Die endgültige Entscheidung steht noch aus, doch lässt der Sprecher kaum Zweifel an der Abwanderung. Welches Modell die Mini-Nachfolge in Graz antreten wird und wie viele Fahrzeuge künftig produziert werden, ist noch unklar.

Auf zwei Standorte möchten die Bayern die Produktion ihrer Lifestyle-Marke künftig konzentrieren: das britische Oxford sowie das niederländische Born. Erst am Montag wurde publik, dass BMW ab 2014 in den Niederlanden ein Mini-Modell fertigen lässt. Gegenüber Graz habe Born "logistische Vorteile", da es näher an Oxford sowie an einem Motorenwerk und einem Presswerk liege, die Komponenten liefern, erläutert BMW-Sprecher Glies. Auf bis zu 200.000 Fahrzeuge ist die Produktion in den Niederlanden ausgelegt. In Graz wurden seit August 2010 bis Ende des vergangenen Jahres 127.000 Mini Countryman gefertigt - kalkuliert waren lediglich 60.000 Autos pro Jahr.

Erneuter Wechsel

Der Verlust der prestigeträchtigen und erfolgreichen Marke schmerzt Magna. Alleine 2011 stieg der Absatz aller Mini-Fahrzeugtypen - vom Dreitürer bis zum Cabrio - um mehr als 20 Prozent auf 285.000 Stück. In einem Statement am Dienstag verwies der Konzern knapp auf "eine gute und erfolgreiche Zusammenarbeit". Der nunmehrige Schwenk der Bayern ist nicht der erste in der Zusammenarbeit beider Multis: So lief die Produktion des ab 2003 in Graz gebauten BMW-Geländewagens X3 vor zwei Jahren aus, ihm folgte der Mini. "Magna ist ein sehr wichtiger strategischer Produktionspartner", betont auch Glies das Interesse an weiterer Zusammenarbeit.

Neben BMW lassen mit Daimler und Peugeot zwei weitere Größen der Automobilbranche in Graz fertigen. 11.000 Magna-Mitarbeiter erwirtschafteten an den zwölf steirischen Standorten einen Umsatz von vier Milliarden Euro; der Gesamt-Umsatz des weltgrößten Auto-Zulieferers betrug 2011 über 21 Milliarden Euro. Aufgrund des Kostendrucks kündigte Magna im September den Kauf einer polnischen Autofabrik an, wo künftig 60.000 Fahrzeuge pro Jahr produziert werden sollen.

Unterschiedlich reagierten die Investoren auf den Rückzug von BMW: An der Frankfurter Börse stiegen die Aktien des bayerischen Herstellers am Dienstag um mehr als ein Prozent, während Magnas Kurs in New York nahezu unverändert blieb.