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"Maisfeld kein Erholungsgebiet"

Von Lea Luna Holzinger

Politik

Bauern wollen ihre Felder nicht an die Stadt Wien verkaufen.


Wien. Was für das Büro von Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ) eine "langjährige Vision" ist, könnte für den Koalitionspartner bereits 2014 Wirklichkeit werden: Es handelt sich um das Vorhaben, in Aspern ein Natur- und Naherholungsgebiet anzulegen: Die Idee eines "Wienerwaldes" für die Donaustadt wurde bereits im September im Gemeinderat einstimmig beschlossen. Die Planung soll nun in den Stadtentwicklungsplan aufgenommen werden. Ein konkretes Projekt gebe es aber noch nicht, heißt es aus dem Büro von Stadträtin Sima. "Es kann und wird 2014 losgehen", sagt hingegen der grüne Umweltsprecher Rüdiger Maresch.

Eigentlicher Urheber der Idee war Bezirksvorsteher Norbert Scheed (SPÖ). Und auch er sieht die Realisierung des Erholungsgebiets noch als eine lange Reise: "Das ist keine Geschichte, bei der man einfach ‚schnipp‘ macht und sie ist fertig. Jetzt ist das Vorhaben Teil des nächsten Stadtentwicklungsplans, dann wird geschaut, welche Bauern verhandeln wollen und dann kommt es darauf an, ob die Stadt genug Geld hat", sagt er.

Widerstand leisten momentan die Bauern, die durch die Aufforstung des Gebiets ihre Felder verkaufen müssten. Vertreten werden die Grundbesitzer von der Landwirtschaftskammer, die sich für den Erhalt der Felder einsetzt: "Wir sehen es nicht als zielführend, dass fruchtbare Felder in Wälder umgewandelt werden. Gerade in Zeiten wie diesen, wo die Bevölkerung wächst, ist die regionale Lebensmittelversorgung wichtig", sagt Kammerdirektor Robert Fitzthum. Seiner Meinung nach würden durch die Erholungsfläche Möglichkeiten zum Anbau von regionalen Lebensmitteln wie Obst und Gemüse verloren gehen.

Beim Umweltsprecher der Grünen stößt diese Aussage auf Unverständnis. Das betroffene Gebiet zwischen Pelargonienweg, Oleandergasse und Azaleenweg (siehe Grafik) trage nicht zur Ernährungssicherung bei. "Dort wird kein Obst angebaut, sondern nur großflächig Mais und Rüben. Natürlich brauchen wir in Wien eine Landwirtschaft - aber wir brauchen auch Erholungsflächen und ein Maisfeld ist keine Erholungsfläche." Er glaubt außerdem, dass der Widerstand der Bauern einen anderen Grund hat als den der Sicherung der Nahversorgung. Für landwirtschaftlich genutzte Gebiete gebe es nämlich drei Widmungskategorien: Schutzgürtel Wald und Wiesen (SWW), Schutzgürtel Wald und Wiesen landwirtschaftliche Nutzung (SWWL) und Landwirtschaft (L). "Bei ersterer darf das Gebiet nicht bebaut werden. Bei der zweiten Kategorie SWWL ist es möglich, kleine Gebäude wie Gartenhütten auf dem Grund zu errichten und bei der dritten Kategorie können auch größere landwirtschaftliche Gebäude wie Schweineställe auf dem Grund gebaut werden." Laut Maresch steigt der Wert eines Grundstückes, wenn es die Widmung "Landwirtschaft" trägt, denn in diesem Fall könne der Käufer das Gebiet stärker bebauen. Alle drei Kategorien seien ihm zufolge auf dem Gelände vertreten, auf dem der Wienerwald Nordost entstehen könnte.

Die Landwirtschaftskammer würde sich nun eine Umwidmung des gesamten Gebietes auf die Kategorie L wünschen, da in diesem Fall die Stadt mehr für die Felder zahlen müsste, meint Maresch. "Dazu wird es nicht kommen. Falls die Stadt die Felder aufkauft, dann zu dem Preis, den die jetzige Widmung vorschreibt. Beide Seiten sollen etwas von dem Geschäft haben." Die Stadt plane Verhandlungen mit den Bauern. Zu einer Enteignungen der Landwirte werde es mit Sicherheit nicht kommen, betont Maresch.

Waldgegner unbeliebt

Gemeinderat Martin Flicker (ÖVP) hätte sich schon früher Gespräche mit den betroffenen Bauern gewünscht. "Grundsätzlich wäre es sinnvoll gewesen, zuerst mit den Grundbesitzern und dann erst mit den Medien zu sprechen." Die ÖVP habe im Gemeinderat zwar für den "Wienerwald Nordost" gestimmt, allerdings sei dies laut Flicker mit einem weinenden Auge geschehen. "Man macht sich heutzutage politisch einfach keine Freunde, wenn man gegen den Wald ist. Wir haben dann im Sinne der Bevölkerung für das Vorhaben gestimmt."

Keine Angebote an Bauern

Auch Fitzthum von der Wiener Landwirtschaftskammer beklagt, dass bisher noch keine Angebote vonseiten der Stadt an die Bauern herangetragen wurden. Norbert Scheed versteht die Aufregung nicht. Schließlich stünde die Planung des "Wienerwald Nordost" noch am Beginn. Wie auch Maresch betont er, dass es keine Enteignung der Bauern geben werde. "Momentan wird so viel in der Donaustadt gebaut - ich möchte einfach verhindern, dass unsere Kinder und Enkelkinder einmal in einer Betonwüste leben müssen. Vielleicht gibt es ja Bauern, die zu Gesprächen bereit sind."

Der Landwirtschaftskammer zufolge schaut es momentan allerdings nicht danach aus: "Seit Generationen wird dieses Gebiet von den Bauern bewirtschaftet. Von der Stadt heißt es jetzt, sie will die Felder rückkaufen - aber das würde ja bedeuten, dass die Felder einmal an die Bauern verkauft wurden und das ist nicht der Fall", betont Fitzthum. Er sieht eine mögliche Lösung darin, das Gebiet in landwirtschaftlicher Nutzung zu belassen, es aber auch den Wienern öffentlich zugänglich zu machen: "In den Weinbergen von Wien wird ja auch gewandert und da kommt niemand auf die Idee, die Weingärten zu entfernen."

Auch Flicker glaubt nicht, dass die Bauern bereit wären, ihre Felder zu verkaufen. "Die Grundeigentümer sind auf ihre Felder angewiesen, um ihr Einkommen zu erwirtschaften." Er glaube außerdem nicht, dass sich die Stadt die Umsetzung des Vorhabens tatsächlich leisten könne. "Aufkaufen der Gründe und Aufforstung des Gebiets würden sehr viel kosten", meint Flicker.