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Major Mike ist kaum zu schlagen

Von WZ-Korrespondentin Heike Warmuth

Politik

Republikanischer Amtsinhaber in Umfragen klar vorn. | Ferrer setzt auf die Minderheiten. | New York. Es ist ein strahlend schöner Herbsttag in New York. Kathleen Turner sitzt auf einem extra für sie bereitgestellten Stuhl auf einer Bühne im Bryant Park und genießt die gute Stimmung. Die international bekannte Schauspielerin und Tochter eines Diplomaten wird Dienstag "Major Mike" wählen, da besteht kein Zweifel. "Ich lebe seit 1977 in dieser wunderbaren Stadt und ich kann mich an keinen einzigen Bürgermeister erinnern, der sich so für die Kunst eingesetzt hat wie Bloomberg", freut sich der Hollywood-Star. Turner ist nur eine der über Hundert Frauen, die letzten Dienstag zur pompös aufgezogenen Wahlveranstaltung des amtierenden New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg gekommen waren, um ihre Unterstützung für dessen Wiederwahl zum Ausdruck zu bringen.


Der Frauenheld

"Er ist für das Recht auf Abtreibung, das hat er in den letzten vier Jahren bewiesen, rührt auch Debbie Johnson von der Organisation "Pro-Choice New York" die Werbetrommel für den milliardenschweren Politiker. Für sie spielt es keine Rolle, dass Bloomberg der Republikanischen Partei angehört, die mehrheitlich gegen legalen Schwangerschaftsabbruch ist. "Es gibt moderate Republikaner und er ist ein Paradebeispiel dafür".

Szenenwechsel. Harlem, 135. Street Ecke St. Nicholas Avenue. Lediglich eine Hand voll Interessierte und Pressevertreter waren gekommen, um den demokratischen Herausforderer Bloombergs, Fernando "Freddy" Ferrer, zu sehen - und zu hören, was er über die desolaten Verhältnisse mancher U-Bahn-Stationen im Schwarzen-Viertel von Manhattan zu sagen hat.

Kein Geld für Glamour

Es ist eine sehr bescheidene Veranstaltung, es gibt keine Musik, ein paar Wahlhelfer verteilen Broschüren. Fast bekommt man Mitleid angesichts des unspektakulären Auftritts von "Freddy". Zu offensichtlich ist der finanzielle Vorteil der Bloomberg-Wahlkampfmaschine, die es sich leisten kann, aufwendige Veranstaltungen zu organisieren und die Bevölkerung mit TV-Spots zu bombardieren - und das seit Wochen fast rund um die Uhr.

Ferrer nimmt das vor seinem bescheidenen Publikum gleich zum Anlass für Kritik. "Ich finde es unverantwortlich und fast pervers, wieviel Geld Bloomberg ausgibt, um seine Wiederwahl zu sichern", meint er. Wahlkampfexperten schätzen, dass der Republikaner bis zum Wahltag aus seiner eigenen Tasche knapp 100 Millionen Dollar locker machen wird. Dem von Porto Ricanischen Einwanderern abstammenden Ferrer stehen sieben Millionen für seine Wahlkampf zur Verfügung.

Umfragen belegen jedenfalls, dass die New Yorker mit Bloombergs vierjähriger Amtsführung zufrieden sind - in Umfragen liegt er zum Teil 20 Prozent vor seinem demokratischen Herausforderer. Dick Dadey, Direktor der "Citizens Union", der ältesten Bürgerrechtsorganisation von New York und Bloomberg-Anhänger, glaubt zu wissen, warum.

Bloomberg habe engagierter als seine Vorgänger daran gearbeitet, das schwächelnde öffentliche Schulsystem zu verbessern, er habe es geschafft, ein halbwegs ausgeglichenes Stadtbudget zusammenzubringen, er habe trotz der Terroranschläge von 2001 der Wirtschaft wieder auf die Beine geholfen und er habe in die Sicherheit investiert.

Kritiker sind von der vermeintlichen Erfolgsbilanz des Self-made-Politikers weniger überzeugt, kämpft die Acht-Millionen-Stadt doch weiterhin mit schwerwiegenden Problemen. Vor allem die horrenden Lebens- und Wohnkosten sowie die Schere zwischen arm und reich, die sich in den letzten Jahren weiter geöffnet und die in eine hohe Obdachlosigkeit und Armutsquote gemündet hat, bereiten vielen Kopfzerbrechen. Auch die Tatsache, dass trotz Wirtschaftserholung immer noch 40 Prozent der schwarzen und 30 Prozent der hispanischen männlichen New Yorker arbeitslos sind, wird bemängelt.

Stille Post

Trotz der Versäumnisse hat es der uncharismatische Ferrer bislang kaum geschafft, seine eigenen politischen Visionen für New York zu kommunizieren. Stattdessen rückte er das Naheverhältnis des um ein unparteiliches Image bemühten Bloombergs zum unpopulären US-Präsidenten in den Mittelpunkt.

So erinnerte er beim gemeinsamen TV-Duell daran, dass Bloomberg, der es geschickt vermieden hat, sich mit George W. Bush zu oft in der Öffentlichkeit zu zeigen, den Republikaner-Parteitag vor der Präsidentschaftswahl 2004 mitfinanzierte und größter Einzelspender unter den republikanischen Politikern ist.

New York ist New York

Die Nähe zwischen Bloomberg und Bushs Republikaner scheint die New Yorker aber nicht wirklich zu stören. "80 Prozent lehnen die Politik der Regierung Bush ab. Aber sie glauben auch, dass die Politik, die in Washington gemacht wird, für den Alltag in ihrer Stadt irrelevant ist", analysiert die progressive und Bloomberg-kritische Stadtzeitung "The Village Voice" diesen Umstand.

Die Mehrheit der Kommentatoren im Big Apple erwarten am Dienstag einen klaren Wahlsieg für Bloomberg. Nur ein Wunder kann in ihren Augen den demokratischen Herausforderer Ferrer zum ersten Latino-Bürgermeister in der Geschichte von New York machen.

Lediglich wenn er es schafft, seine Basis, die Hispanics und die African-Americans, geschlossen auf seine Seite zu bringen und die Mehrheit der registrierten Demokraten tatsächlich zur Urne zu bewegen, kann er den umtriebigen und eloquenten "Major Mike" vom Thron stoßen.