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Makler und Agent in einer Person

Von Christine Zeiner

Wirtschaft

Im Wirtschaftsausschuss des Nationalrats steht heute der Gesetzentwurf zur EU-Versicherungsvermittlungs-Richtlinie auf der Tagesordnung. "Zum geplanten einheitlichen Gewerbe des Versicherungsvermittlers müssen wir 'Nein' sagen", betonte gestern Michael Drechsler, Obmann des Fachverbands der Versicherungsmakler der Wirtschaftskammer, vor Journalisten.


Die geplante Regelung hätte Nachteile für die Konsumenten, meint Drechsler: "Der Versicherungsvermittler kann in seiner Funktion wechseln. Einmal ist er der Makler, der das beste Angebot sucht, das nächste Mal ist er Agent der A, B oder C-Gesellschaft und verkauft deren Produkte."

Aus einer vom Fachverband in Auftrag gegebenen Gallup-Umfrage geht hervor, dass für 91% der 500 befragten Österreicher wichtig ist, ob sie es mit einem unabhängigen oder firmengebundenen Vermittler zu tun haben. Ein Makler ist gesetzlich verpflichtet, das für den Kunden beste Produkt auszusuchen und muss das Unternehmen, das dieses anbietet, beurteilen. "Das bedeutet, er hat zu schauen, ob das Versicherungsunternehmen zum Beispiel kracht", erläutert Gabriele Riener, Versicherungsexpertin des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Ein für den VKI wesentlicher Punkt ist die Bedarfserhebung: Ein Makler muss prüfen, ob der Konsument ein Produkt überhaupt benötigt. Die Richtlinie beinhalte sinnvolle Punkte, wie Ausbildungsvorschriften, erklärt Riener, fügt aber hinzu: "Diese gibt es in Österreich bereits. Durch die Gewerbeordnung wurde dieser Regelung vorgegriffen." Die Dienstleistung eines Versicherungsmaklers ist in den meisten Fällen kostenlos. Wird ein Angebot vermittelt, erhält der Makler eine Provision vom jeweiligen Unternehmen. "Wir wissen, dass viele also nicht ganz unabhängig sind. Sie sind aber zumindest vom Gesetz her dazu verpflichtet", stellt Riener fest. Sollte nicht das bestmögliche Produkt vermittelt worden sein, kann der Makler haftbar gemacht werden. "Jeder Makler hat eine Vermögenschadenshaftpflichtversicherung", sagt Riener.

In Österreich wird jede vierte Versicherungspolizze über einen Makler vermittelt. Der Anteil am Gesamtprämienaufkommen liegt mit 4,5 Mrd. Euro bei rund 30%.