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Man braucht nicht unbedingt Konferenzen

Von Wolfgang Pekny

Gastkommentare
Wolfgang Pekny ist Geschäftsführer der Plattform Footprint und Obmann der Initiative Zivilgesellschaft. Foto: Footprint

Der Tsunami des Klimawandels lässt sich nicht nur durch Konferenzen bremsen. Es braucht auf dem begrenzten Planeten Erde einen neuen Lebensstil.


Die Kapazität unseres Planeten ist ausgereizt. Wälder und Böden schwinden, die Meere sind leer und die Atmosphäre ist voll. Allesamt Symptome der rücksichtslosen Übernutzung des Ökosystems Erde, verursacht durch das verschwenderische Viertel der "globalen Konsumenten". Zugleich steigt die Zahl der bitterarmen und Hungernden.

Diese Herausforderungen lassen sich nicht alleine auf Konferenzen meistern. Sie erfordern nicht mehr und nicht weniger als die nächste "Great Transition", den fundamentalen Wandel hin zu einer globalen Gesellschaft, die mit der Begrenztheit von Planet Erde umgehen kann.

Bei der UN-Konferenz in Rio 1992 wurden die Atmosphäre und die Biodiversität erstmals als Gemeingut anerkannt. Die Verhandlungen ab dann waren jedoch am Punkt vorbei. Es ist, als hätten wir beschlossen, die Sklaverei abzuschaffen und diskutierten seitdem, wie die Ketten durch Polster erträglicher gemacht werden.

In Kopenhagen hätte es darum gehen können, das "Raumschiff Erde" fairer aufzuteilen. Doch daran denken die OECD Länder nicht im Geringsten. Kein Politiker ist gewählt, um an das globale Ganze zu denken, keiner hat den Mut, eigene ökonomische Vorteile hintan zu stellen, und schon gar keiner hat das Mandat, die Lebensstile seiner Bürger zu hinterfragen. Doch genau darum wird es gehen.

Dieses Politikversagen ist keinesfalls neu. Generell ist es der Politik in den letzten fünfzehn Jahren nirgendwo gelungen, die Menschen als Verbündete für eine Wende zu gewinnen. Genau betrachtet hat es niemand versucht. Zu groß sind die Verlockungen für die OECD- Staaten, vom unfairen Status quo weiter zu profitieren, und für die Schwellenländer, an der Verschwendungsökonomie teilzuhaben. Für Politik und das Gros der Wähler gleichermaßen gilt Karl Valentins treffliche Bemerkung "Es muss was geschehen, aber es darf nichts passieren!"

Die gute Nachricht für verantwortungsvolle Weltbürger: Für sofort wirksame Maßnahmen braucht es keine Konferenzen, da reicht gesunder Globalverstand. Wir können faire Klimapolitik selbst machen, indem wir die "fünf F" umsetzen: Fliegen - so gut wie nie! Fleisch und tierische Produkte - dramatisch weniger, dafür biologisch und fair. Fahren mit dem Auto - deutlich weniger, nie alleine, langsamer, und sobald wie möglich mit Ökostrom. Wohnen wie im Fass - gut isoliert, öffentlich erreichbar, mit eigener Energieversorgung.

Die Belohnung ist die Freude an einem guten Leben, das nicht auf Kosten anderer geht. Wenn wir zugleich Freunde überzeugen, Nachbarn, Kaufmann, Kollegen, Bürgermeister,.. . dann agieren wir bereits politisch. Wenn wir weiters bereit sind, wirksame Steuern tatsächlich steuern zu lassen, der Politik ein Ökostrom-Gesetz abringen, Straßenbau stoppen und eine Wege- und zeitabhängige Straßenbenutzungs-Abgabe zulassen und dazu eine ökologische Steuerreform sowie eine faire Verteilungspolitik einfordern, dann werden auch Politik und Wirtschaft den Auftrag begreifen, die Schritte hin zu einer fairen, globalen Gesellschaft nicht länger zu behindern.

Siehe auch:Das Spiel mit offenen Karten beginnt

+++ Gastkommentar von Alexander Van der Bellen

+++ Interview mit Wissenschafter Ernst Ulrich von Weizsäcker über Klimapolitik

+++ Verschmutzungsrechte zum Sparpreis

+++ Interview mit der WWF-Mitarbeiterin Tara Rao