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Man kann ja ein Buch mitnehmen

Von Christina Böck

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Als Dorothy Parker in den 20er Jahren (gefürchtete) Theaterkritikerin war, herrschte Hochbetrieb am Broadway. 1924 starteten 256 Produktionen, es soll sogar vorgekommen sein, dass in einer Nacht zwölf Premieren waren. Davon kann der Broadway heute nur träumen. Heute macht die New Yorker Theatermeile andere Schlagzeilen, etwa mit der Desaster-Produktion "Spiderman". Das Musical hatte jetzt nach der größten Pannenserie der jüngeren Broadwaygeschichte Premiere. Zehn Jahre wurde daran gearbeitet, nach Voraufführungen waren Kritiker so entsetzt, dass wieder alles umgeschrieben wurde. Einige Schauspieler und Stuntmen verletzten sich. Dann kamen sich noch die Produzentin und ihre prominenten Komponisten Bono und The Edge in die Haare. Jetzt müsste das Musical zwölf Jahre laufen, um die Produktionskosten reinzubekommen. Und das, obwohl der Kritiker des "Telegraph" schon geschrieben hat, er habe sich während des Stücks gedacht: "Guter Gott, mach, dass es aufhört."


Bisher ist man am Broadway gut gefahren mit Musicalversionen von Filmen - so gut, dass dort fast nichts anderes mehr läuft. Vielleicht bringt der Bombastflop ein Umdenken. Wobei, Flops hat es immer gegeben, auch zu Dorothy Parkers Zeiten. Die "empfahl" einmal ein Stück, weil es sich so gut zum Stricken eigne. Und wenn man das nicht könne, dann solle man ein Buch mitnehmen.