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Man muss auch krank sein können

Von Christoph Rella

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Jeder kennt die Geschichte von jenem Läufer, der den Sieg der Griechen über die Perser in der Schlacht von Marathon 490 vor Christus ("Wir haben gesiegt") sterbend den Athenern verkündet haben soll. Und auch wenn die Legende mit hoher Wahrscheinlichkeit erfunden ist, so enthält sie doch eine wichtige Botschaft: Laufen kann auch schädlich sein, vor allem, wenn man krank ist.

Das gilt insbesondere auch für die Teilnehmer des 32. Vienna City Marathons, der am Wochenende wieder in der Bundeshauptstadt veranstaltet wird. Tatsächlich ist die Zahl der Hobbysportler, die trotz Symptomen in Wien an den Start gehen (wollen), so gering nicht. Von den rund 300 Läufern, die jedes Jahr im Vorfeld des Marathons (auf freiwilliger Basis) durchgecheckt werden, seien immerhin zehn Prozent tatsächlich krank - und würden daher auch ausdrücklich vor einer Teilnahme gewarnt, erklärte der Sportmediziner Christian Gäbler kürzlich in einem Interview. Selbst bei Halsweh oder auch Schnupfen sei ein Antreten zu überlegen. Zu hartes Training sowie schnelles oder zu langes Laufen könnten eine Entzündung des Herzmuskels hervorrufen.

Man muss Menschen wie Gäbler für diese klaren Worte dankbar sein. Auf wen, wenn nicht ihn, den Laufexperten, sollten vor Ehrgeiz und Selbstüberschätzung strotzende Hobbysportler hören? In Wirklichkeit kann und soll die Schilderung der möglichen gesundheitlichen Konsequenzen nicht drastisch genug ausfallen.

Denn Sport hat immer nicht nur mit Siegen, sondern vor allem auch mit Vernunft zu tun. Oder um es mit Gäblers Worten zu sagen: "Man muss auch einmal krank sein können, wir sind keine Maschinen." Dem ist nichts hinzuzufügen.