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"Man muss authentisch sein"

Von Rosa Eder-Kornfeld

Wirtschaft

Was Firmen tun, um sich als attraktive Arbeitgeber zu verkaufen.


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Wien. Für eine große Gruppe der heute Berufstätigen steht der Job an erster Stelle. In den Jahren 1965 bis 1980 geboren, identifizieren sich die Mitglieder der Generation X großteils mit dem Unternehmen, in dem sie arbeiten, und streben danach, den materiellen Wohlstand zu erhalten, den sich ihre Eltern, die Babyboomer, hart erarbeitet haben.

Für ihre jungen Kollegen von der Generation Y - auch oft als Millennials oder Digital Natives bezeichnet - sind Spaß, Freude und persönliche Entwicklung vorrangig. Sie sind anspruchsvoll und stellen Bedingungen an den Arbeitgeber. Werden diese nicht erfüllt, ziehen sie weiter zum nächsten. Hierarchien spielen eine untergeordnete Rolle, Anerkennung erfolgt durch die Community. Und dann sind da noch die ganz Jungen. Jetzt noch Teenager, rüsten sich die Mitglieder der Generation Z für die Arbeitswelt. Sie zeigen ebenfalls geringe Loyalität dem Arbeitgeber gegenüber und sind Einzelkämpfer.

Auch wenn der eine oder andere nicht einem dieser Stereotype entspricht: Personalverantwortliche stehen vor der Herausforderung, dass aufgrund der demografischen Entwicklung ihre Belegschaft immer älter wird, während gleichzeitig weniger junges "Humankapital" nachkommt. Was tun also Unternehmen, um gute und engagierte Mitarbeiter für sich zu gewinnen und zu halten, sprich: ein attraktiver Arbeitgeber zu sein? Dieser Frage gingen Führungskräfte beim diesjährigen People Management Circle der Personal- und Managementberatung Pendl & Piswanger und des Consultingunternehmens Viacona nach.

Wer gute Leute auf sich aufmerksam machen will, muss eine Marke als guter Arbeitgeber aufbauen - darüber waren sich die Diskussionsteilnehmer einig. "Man muss authentisch sein", betonte Michael Landertshammer, Institutsleiter des Wifi Österreich, das rund 600 Mitarbeiter beschäftigt. Diese werden in allen Lebensphasen unterstützt, wiewohl Landertshammer zugeben musste, dass man erst seit kurzem über das Thema Generationenmanagement nachdenke. Wie notwenig es in der Tat ist, zeigen die Fakten. "Wir hatten in Österreich immer knapp 100.000 15-Jährige pro Jahr, bald werden es nur mehr 80.000 sein", weiß Landertshammer.

Der erste Eindruck zählt

"Der erste Eindruck ist der wichtigste", betonte Harald Nograsek, Generaldirektor der Verkehrsbüro-Gruppe. So werde etwa in seinem Unternehmen jede Bewerbung prompt beantwortet. Das Verkehrsbüro sei auch auf allen Social-Media-Kanälen präsent, um sich als Arbeitgeber zu präsentieren. "Wir investieren auch sehr viel in die Lehrlinge", so Nograsek. Ihre Ausbildung werde durch zusätzliche Angebote im Rahmen einer eigenen Lehrlingsakademie ergänzt. Auch würden zahlreiche Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf gesetzt, und eine eigene Karenzbeauftragte halte den Kontakt zu Müttern in der Babypause.

Die Förderung der Entwicklungsmöglichkeiten der Mitarbeiter ist der Führung der Berndorf-Gruppe ein wichtiges Anliegen, etwa durch ein firmeneigenes Programm für "High Potentials". Das Unternehmen versucht zudem, über die Universitäten an die "Juwelen" heranzukommen, so Peter Pichler, Vorstandsvorsitzender der Berndorf AG. Die Kluft zwischen den Generationen wird durch aktive Zusammenarbeit überbrückt, etwa indem jungen Mitarbeitern ein erfahrener Mentor zur Seite gestellt wird.

Die Frage, die nicht nur die Personalverantwortlichen beschäftigt, ist die nach der Leistungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer. Ältere sind weniger leistungsfähig, bestätigte Soziologe Franz Kolland. Allerdings beginne der Abbau der kognitiven Fähigkeiten nicht erst mit 45, sondern bereits ab 25 Jahren. Was ältere Mitarbeiter ihren jungen Kollegen voraushätten, seien mehr Urteilsfähigkeit und Expertenwissen.

Gegen Facebook-Verbot

Eine weitere Diskussionsrunde widmete sich dem Thema Social Media in der Arbeitswelt und ob es nötig ist, Regeln für die private Nutzung während der Arbeitszeit aufzustellen. Ein Verbot ist nicht zeitgemäß, so der Tenor. Facebook & Co seien moderne Mittel der Kommunikation geworden, und für die 18- bis 30-Jährigen gehöre etwa auch das Abrufen von E-Mails zum täglichen Morgenritual. Johannes Zimmerl, Direktor für das Konzernpersonalwesen von Rewe International, warnte jedoch davor, allzu Privates, etwa Bilder von einer wilden Party, ins Internet zu stellen. "Headhunter schauen sich das schon an", betonte er.