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Man muss es sich leisten können, nicht zu verkaufen

Von Hermann Sileitsch

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Nerven bewahren und die Börsen-Baisse aussitzen: Die Tipps, wie sich Aktienbesitzer nach der Talfahrt der Kurse verhalten sollen, sind gutgemeint, haben aber leider einen Haken: Sie setzen voraus, dass der Anleger jahrelang auf liquide Mittel verzichten kann. Sprich: Man muss es sich leisten können, nicht zu verkaufen.


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Dieser Satz passt perfekt zum Verkauf der Anteile der Staatsholding ÖIAG an der AUA: Natürlich ist der Zeitpunkt für die Privatisierung denkbar schlecht - nur wurde der Moment verpasst, wo man aus einer im operativen Geschäft profitablen Fluglinie noch Kapital schlagen hätte können. Jetzt gibt es (trotz oder vielmehr gerade wegen der horrenden Verlustprognosen) kaum eine andere Wahl, als zu verkaufen. Auch wenn der Erlös aufgrund der Finanzkrise zusätzlich gedrückt wird. All denen, die meinen, man sollte mit dem Verkauf zuwarten, bis ein besserer Preis erreicht werden kann, sei ausgerichtet (Sie ahnen es): Man muss es sich leisten können, nicht zu verkaufen.

Verkaufsdruck entsteht meistens erst, wenn die Lage schlecht ist. Siehe den Notverkauf der Constantia Privatbank: Die größten Banken des Landes springen ein, die Republik Österreich haftet. Eine heikle Sache: Das Finanzmarktstabilitätsgesetz verursacht Erklärungsbedarf, bevor es überhaupt beschlossen wurde. Schließlich wurde es dem Steuerzahler so verkauft, dass sich der Staat im Gegenzug für eine Bankenrettung an dieser beteiligen würde. Jetzt garantiert der Staat für eine Privatbank, an der sich andere Institute beteiligen. Was, wenn sich der Kapitalbedarf (wie in Deutschland bei der Hypo Real Estate) nachträglich als viel höher herausstellt? Wie erklärt man dem einfachen Sparer, dass seine Steuergelder für eine Bank garantieren, die sich exklusiv um vermögende Kunden kümmert? Früher galt die Regel, dass der Staat nur "systemrelevante Banken" auffängt - zu diesen zählt die Constantia Privatbank mit Sicherheit nicht.