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Management-Theorien sind anregende "Denkwerkzeuge"

Von Helene Kurz

Wirtschaft
Unternehmer folgen immer öfter Modellen statt ihrem Bauchgefühl. Foto: bbox

Konzepte sollen einfach und flexibel einsetzbar sein. | Das "Wann" und "Wie" ist bei der Implementierung entscheidend. | Wien. Wissen Sie, was Kaizen, Lean Management oder Business Process Reengineering gemeinsam haben? Alle drei sind Management-Konzepte, die der zielorientierten Gestaltung und Steuerung von Unternehmen dienen.


"Management-Methoden sind ein Spiegel der Zeit und gewissen Moden unterworfen", sagt Robert Kremlicka, Geschäftsführer von A.T. Kearney Österreich im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Grundsätzlich gebe es keine guten oder schlechten Methoden, man muss von Unternehmen zu Unternehmen und von Fall zu Fall unterscheiden. Es ist jedenfalls nicht zielführend, sklavisch an einer Methode festhalten und den Faktor Mensch außer Acht lassen, so der Berater.

Sinnvoller Gedanke

"Hinter jeder Theorie steckt ein überlegenswerter Gedanke", meint auch Werner Hoffmann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Contrast Management-Consulting. Management-Theorien sind "Denkwerkzeuge", die Anregungen liefern können. Es kommt aber vor allem darauf an, wie und wann - d.h. in welcher Phase der Unternehmensentwicklung - ein Konzept angewendet wird, erläutert Hoffmann. Oft werden Management-Konzepte falsch interpretiert, stellt Heinz K. Stahl, Professor an der WU Wien, fest. "Wenn ein Konzept zu anspruchsvoll ist, wird es umetikettiert und erhält eine völlig andere Richtung". So ist die Idee Prozessoptimierung vielfach zu einem reinen Kostensenkungs-Konzept mutiert.

Falsche Interpretation

Auch Lean Management - das japanische Konzept der schlanken, flachen Unternehmensorganisation - wurde oft falsch interpretiert und diente als Vorwand für Personalabbau. Besonders auffällig ist das Missverständnis beim Shareholder Value-Gedanken (Orientierung an der Steigerung des Unternehmenswertes), was dazu führte, dass andere Gruppen vernachlässigt wurden. Nun ist durch die einseitige und kurzfristige Orientierung Ernüchterung eingetreten.

Eine gute Managementidee ist klar verständlich, reproduzierbar und flexibel einsetzbar. Zudem muss ein Konzept messbar sein und eine Zielformulierung erlauben, erklärt A.T. Kearney-Chef Kremlicka.

Ein Management-Modell soll lediglich ein einziges Prinzip verfolgen und einfach sein, findet auch Stahl. Eine gute Theorie muss "neidlos anführen", an welche anderen Konzepte sie anschließt. Außerdem hat sie aufzuzeigen, wie zwischenmenschlichen Problemen vorgebeugt werden kann.

Einige Management-Konzepte bestechen durch ihren nachhaltigen und zeitlosen Nutzen. Ein Dauerbrenner unter den Management-Techniken sei nach wie vor Michael Porters "Five Forces-Modell", weiß Kremlicka. Auch E-Business (Automatisierung von Geschäftsprozessen) sei "noch nicht tot" und habe unbeachtet in Unternehmen Eingang gefunden.

Aktuelle Ansätze

Die Begeisterung für die Idee der Balanced Scorecard (ausbalanciertes Kennzahlensystem) ist zwar schon etwas abgeklungen, aber einige Teile davon werden weiter bestehen bleiben, prognostiziert Kremlicka. Stahl sieht das ähnlich: "Das Modell ist heute fest etabliert, da gibt es keinen Schritt zurück." Genauso sind Value und Risk Management momentan aktuell und werden uns auch in den kommenden Jahren begleiten, ist sich Hoffmann sicher.