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Manager transparent bewerten

Von Christine Zeiner

Wirtschaft

In Österreich dominiert noch immer die "Freunderlwirtschaft" unter Führungskräften. Zu diesem Schluss kommt eine Befragung, die USP Consulting und die Wirtschaftsuniversität Wien im Auftrag der EU unter 100 Unternehmen durchgeführt haben. In 63% der befragten heimischen Betrieben werden Top-Manager nicht strukturiert und regelmäßig bewertet. Nur 6% haben konkrete und transparente Karrierepfade für Manager definiert. Österreich ist damit EU-weites Schlusslicht.


"Vieles geschieht informell, Posten werden noch immer gern zugeschachert. Es wird nicht bewertet, ob jemand objektiv gut oder schlecht ist. In vielen Unternehmen gibt es kein Anforderungsprofil einer Führungskraft", erklärt Uwe Seebacher, Geschäftsführer von USP Consulting gegenüber der "Wiener Zeitung" und meint weiter: "Wir sagen ja nicht, dass die Qualifikationen nicht gut sind. Wenn man aber nicht weiß, wo die Stärken und wo die Schwächen liegen, kann auch nichts optimiert werden." Dann komme das heraus, was Seebacher als "Geldverschleudern" bezeichnet: "Ich war schon wieder in einem Training. Neue Inhalte hab ich aber nicht gelernt."

Dabei liegen die heimischen Unternehmen - was die Ausbildung für Topmanager betrifft - gar nicht schlecht: Pro Manager und Jahr werden 1.133 Euro für Fortbildung ausgegeben, der EU-Schnitt liegt der Studie zu Folge bei 1.300 Euro. Deutsche Unternehmen lassen sich Aus- und Weiterbildung 2.778 Euro, spanische 1.362 Euro, britische 332 Euro und französische 219 Euro kosten.

Sehr spendabel sind Österreichs Logistikunternehmen: Im Vergleich zum Sektor Dienstleistung und Produktion wird hier bis zu drei Mal so viel Geld ausgegeben, konkret 2.983 Euro (im Vergleich dazu sind es 1.140 Euro im Industrie- und 896 Euro im Dienstleistungsbereich). "Es ist aber nicht alles Gold, was glänzt", kommentiert Seebacher die Zahlen. Denn drei Viertel der Manager gab an, dass kein Kompetenzprofil bzw. kein Karrierepfad für die Entwicklung von Führungskräften erstellt wird.

Auf alle Fälle weniger erfreulich ist die Anzahl der Ausbildungstage: Mit 6,4 Tagen im Jahr ist Österreich EU-weites Schlusslicht. Spanische Manager besuchen im Schnitt 6,9 Tage Aus- und Weiterbildungskurse, in Großbritannien sind es 8,5 Tage, in Deutschland 7,5 Tage und in Frankreich 6,9. Seebacher: "Ein französisches Unternehmen muss per Gesetz etwa 3% des Umsatzes in Aus - und Weiterbildung investieren."

Hof- und Kommerzialräte

Für Österreich typisch ist die oft zitierte "Titelsucht". Dafür etwas tun, ist aber umso weniger beliebt: Fast die Hälfte der befragten Manager erteilten akademischen Zusatzqualifikationen als Instrument für die Entwicklung von Führungskräften eine Absage. Seebacher schließt daraus,

die heimischen Manager

würden darauf hoffen, sich einen Titel "ersitzen zu können", statt dafür die Schulbank zu drücken: "Der 'Herr Kommerzialrat' und der 'Herr Hofrat" wären typische Beispiele."

"War of talents"

Die Studie geht davon aus, dass es in Folge eines Bevölkerungsrückgangs einen "War of talents" geben wird - gute Führungskräfte könnten ins Ausland abwandern. Seebacher zu Folge muss der heimische Markt attraktiver werden, damit kein "Führungskräfte-Vakuum" entsteht: "Man sollte Strukturen schaffen, um Freunderlwirtschaft durch transparente und objektive Karrierentwicklung ersetzen zu können und so den heimischen Markt attraktiver zu machen."