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"Manche Garantien sind ein Wahnsinn"

Von Dieter Friedl

Wirtschaft

Das Geschäft mit der prämienbegünstigten Altervorsorge läuft nicht schlecht. Es gibt dabei beträchtliche Unterschiede bei den Anbietern. Drei Versicherungen teilen sich den Markt auf. Reformen sind angedacht, ob sie heuer noch kommen ist ungewiss.


Vorsorgen fürs Alter wird heute bereits den Jungen eingeimpft. Die Politik hat dafür - unter anderem - ein eigenes Anlageprodukt, die prämienbegünstigte Altervorsorge, geschaffen, die seit rund zwei Jahren am Markt ist. Damit sollte jedoch nicht nur der Vorsorgegedanke gepflegt, sondern auch dem Wiener Aktienmarkt auf die Beine geholfen werden. Was übrigens eine Illusion ist. Der Kapitalmarktbeauftragte der Bundesregierung, Richard Schenz, hat errechnet, dass nur 1% der Umsätze der Wiener Börse darauf entfallen.

Verschiedene Konditionen bei verschiedenen Anbietern

Speziell für Österreichs Versicherungen bringt die prämienbegünstigte Altersvorsorge ein schönes Zusatzgeschäft. Auch Banken naschen an diesem Kuchen mit. 460.000 Österreicher haben sich von den Vorteilen dieses Produktes überzeugen lassen, ein recht hoher Anteil davon unter 20 Jahren, im Durchschnitt werden jährlich rund 1.000 Euro pro Person veranlagt. Für Anleger lohnt allerdings ein Blick auf die unterschiedlichen Konditionen.

Obwohl das Produkt einfach gestaltet werden sollte (derzeit 9% Prämie für jede Einzahlung bis zu einer jährlichen Höhe von 1.900 Euro, Veranlagung kapitalerstragssteuerfrei, Auszahlung der Rente steuerfrei, Kapitalgarantie) buhlen die Anbieter mit unterschiedlichen Ausstattungsmerkmalen.

Was hat nun der Kunde an langfristigem Ertrag (die Mindestdauer der Veranlagung ist 10 Jahre) zu erwarten? Üblicherweise wird der potentiellen Kundschaft ein jährlicher Ertrag von 6% in Aussicht gestellt. Das klingt gut, ist doch derzeit bei konventionellen Lebensversicherungen nur von 4% die Rede. Aber Vorsicht! Manche Versicherungen nehmen als Basis für die Verzinsungen das voll eingezahlte Kapital, andere ziehen vorher alle Kosten ab, und rechnen die Zinsen erst von dieser reduzierten Basis.

Vordergründig scheinen diese Ertragszahlen auch realistisch, müssen doch 40% am Wiener Aktienmarkt angelegt werden und der boomte im Vorjahr mit einem Plus von fast 60%. Experten warnen jedoch, dass bei langfristiger Betrachtungsweise die Rechnung ganz anders aussehen könnte. Versicherungsmathematiker halten derzeit bereits 5% für gewagt.

Neue Sterbetafel bringt Pensionskürzungen

Es gibt weitere wesentliche Punkte in der Angebotspalette der Versicherungen:

- Der Uniqa-Konzern bietet seinen Kunden eine "Rechnungsgrundlagengarantie". Das bedeutet, wer heute einen Vertag abschließt kann - egal wann seine Pensionszahlungen fällig werden, darauf pochen - dass die bei Abschluss geltende Sterbetafel angewendet wird. Nachteil: Er hat nicht mehr die Wahl der Barauszahlung, sondern muss auf jeden Fall eine Rente in Anspruch nehmen.

Alle zehn Jahre werden die Sterbetafeln neu erstellt, darauf basieren dann auch die Pensionstafeln. Mit Jahreswechsel 2006 ist es wieder einmal so weit: Für die künftigen Pensionen wird es Kürzungen von 7% bei den Frauen und 13% bei den Männern geben. Die Finanzmarktaufsicht wird die Anwendung der neuen Sterbetafeln ab 2006 verbindlich fordern, wer heuer abschließt schneidet noch günstiger ab. Bereits laufende Renten sind davon allerdings nicht betroffen.

Der Uniqa-Bonus stößt allerdings in der Branche auf Unverständnis. Ein Generali-Vorstand: "Ich halte das für Wahnsinn, ich würde mich das nicht trauen!" In späteren Jahren würde dann daraus ein hoher Nachreservierungsbedarf resultieren. Städtischen Direktor Kurt Ebner: Man muss das Risiko im Rahmen halten". Für die Kundschaft klingt das Angebot jedoch gut.

Vorschläge für eine Änderung des Regelwerks

In Summe ist man mit dem Produkt der Altervorsorge recht zufrieden. Wenn auch die Erfolge des Jahres 2003 (281.000 Verträge) im Vorjahr nicht mehr wiederholt werden konnten, viele Anbieter mussten Rückgänge von rund 50% in Kauf nehmen, insgesamt wurden weitere rund 160.000 Verträge abgeschlossen (85% des Geschäfts werden von Versicherungen getätigt, der Rest von Banken und Investmentgesellschaften).

Nach dem schwächeren Vorjahr hat in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres das Geschäft wieder angezogen. Die Vorjahrszahlen wurden zumindest wieder erreicht. Damit sich das Geschäfts noch besser entwickeln kann, gibt es drei Verbesserungsvorschläge:

- Die Möglichkeit nicht jährlich einzuzahlen, sondern auch einen Einmalerlag tätigen, für den dann die Prämie auf viele Jahre aufgeteilt werden kann. Das hätte den Vorteil, dass etwa bei Erbschaften oder Abreifen eines Bausparvertrages größere Summen eingezahlt werden könnten. Generali-Vorstand Ernst Schmid findet das "durchaus sinnvoll".

- Ein Produkt ohne Kapitalgarantie, was die Rendite erhöhen würde. Für Schmid "bei langen Laufzeiten in Ordnung".

- Einige Jahre vor Ablaufen des Vertrags Verzicht auf die Pflicht 40% in Aktien anlegen zu müssen, um damit das Risiko fallender Börsekursen reduzieren zu können und eine bessere Rendite zu retten. Schmid: "Das wäre technische äußerst schwierig zu lösen".

Was passiert, wenn jemand frühzeitig aus seinem Vertag aussteigen will, weil man etwa Geld braucht? Wer vorzeitig (erst nach 10 Jahren möglich) oder bei Vertragsablauf eine Barauszahlung wünscht muss die Hälfte der Prämie zurückzahlen; bleibt dann noch ein Veranlagungserfolg über, so sind dafür 25% Kest zu berappen. Nach Ablauf der Vertragsdauer muss sich der Anleger entscheiden, in welcher Form er die Pensionsleistungen beziehen möchte (mögliche Begünstigung der überlebenden Ehefrau). Er kann sich dann durchaus eine andere Versicherung wählen, als jene, bei der er angespart hat.

Einen großen Unsicherheitsfaktor gibt es noch: Ein führender VP-Funktionär ließ vor einige Zeit durchblicken, dass er damit rechne, dass nach einigen Jahren die Politik den Prämienbonus auslaufen werde lassen . . .