Zum Hauptinhalt springen

Mandela gegen Mandela

Von Ronald Schönhuber

Politik
Mit Mandela lässt sich viel verdienen. Dementsprechend beschuldigen sich die Mitglieder der Familie wechselseitig der Geldgier.
© reu

Die Familie führt einen erbitterten Streit um das Erbe des Friedensnobelpreisträgers.


Pretoria. Nelson Mandela, das ist schon seit Jahren eine internationale Trademark. Es gibt Mandela-Poster, Mandela-Souvenirs und einen Mandela-Wein. Es existiert sogar ein eigenes Modelabel, das die Häftlingsnummer 46664, die Mandela während seines Aufenthalts auf der Gefängnisinsel Robben Insel trug, zum zentralen Design-Element gemacht hat und nun auf bunte Sakkos und Blusen druckt.

Das Geschäft mit der südafrikanischen Freiheitsikone ist dabei fast schon ein Selbstläufer, der Name Mandela genügt schon jetzt, um Millionen in die Kasse zu spülen. Noch viel mehr Geld dürfte allerdings zu verdienen sein, wenn der 94-Jährige, der seit vier Wochen in einem Krankenhaus in Pretoria um sein Leben ringt, einmal tot ist. Experten rechnen damit, dass der dann noch einmal sprunghaft ansteigende Handel mit Devotionalien für viele Jahre anhalten wird.

Doch die Aussicht auf viel Geld - neben den Souvenirs geht es auch um das Millionenvermögen, das der ehemalige Präsident Südafrikas mit Büchern angehäuft hat - zeigt mittlerweile ein hässliches Antlitz, das so gar nicht zum Erbe jenes Mannes passen will, der sich wie kaum ein Zweiter für Verständigung und Aussöhnung eingesetzt hat. Im Mittelpunkt des rund um den möglichen Tod des Friedensnobelpreisträgers geführten Familienstreits, der mittlerweile auch vor Gericht und den Kameras der internationalen Medien ausgetragen wird, steht Mandela-Enkel Mandla.

Der 38-Jährige, der seit 2009 für die Regierungspartei ANC im Parlament sitzt, ist auch das traditionelle Oberhaupt des Dorfes Mvezo, ein beschaulicher kleiner Ort in den sanften Hügeln der Ostkap-Provinz, in dem 1918 Nelson Mandela geboren wurde. Geht es nach Mandlas Willen, soll sein Großvater auch genau hier einmal begraben werden. Ein einfaches Grab, wie es Mandelas Leben entsprechen würde, soll es aber nicht werden. Der 38-Jährige träumt vielmehr von einer großen Gedenkstätte, die auf Jahrzehnte zum zentralen Pilgerort für alle Anhänger des Anti-Apartheidskämpfers werden soll.

Vorarbeiten in diese Richtung hat Mandla schon unternommen. Mit staatlicher Unterstützung wurden in Mvezo ein Hotel, ein Museum, eine Andachtshalle und mehrere Lokale gebaut. Dem Zufall sollte dabei offenbar nichts überlassen werden. 2011 hatte der 38-Jährige eigenmächtig dafür gesorgt, dass die sterblichen Überreste von drei Kindern des Friedensnobelpreisträgers von Quno, wo Nelson Mandela bis zuletzt lebte, nach Mvezo umgebettet wurden. Obwohl Mandla stets beteuert im Sinne seines Großvaters zu handeln, scheint das Kalkül dahinter nicht sonderlich schwer zu durchschauen: Der 94-Jährige hatte stets betont, er wolle einmal neben seinen engsten Verwandten begraben werden.

Geldgier und Ruhmsucht

Anders als Mandla will die restliche Familie, die von der ältesten Tochter Makaziwe angeführt wird, aber nicht, dass ihr bedeutendstes Mitglied in Mvezo begraben wird. Per Gerichtsbeschluss setzte sie in der vergangenen Woche durch, dass die drei Mandela-Kinder wieder zurück in ihre frühere Gräber gebracht werden. Im Zuge der juristischen Auseinadersetzung hatten sich beide Seiten der Geldgier und Ruhmsucht beschuldigt. Zusätzlich Öl wurde dadurch ins Feuer gegossen, dass Mandla seinen die anderen Familienseite unterstützenden Bruder Mbuso des Ehebruchs mit seiner Frau bezichtigte.

Mit ihrem zur öffentlichen Soap-Opera verkommenden Zwist hat die berühmteste Familie des Landes mittlerweile auch fast alle Sympathien verspielt. Für viele Südafrikaner, die sich nur langsam damit abzufinden beginnen, dass der Vater der Regenbogennation nicht für immer da sein wird, steht der erbittert geführte Familienstreit als unwürdiger Abschluss eines von Würde geprägten Lebens. Selbst der ehemalige Erzbischof von Kapstadt, Desmond Tutu, der ebenso wie Nelson Mandela Träger des Friedensnobelpreises ist, hat sich mittlerweile in die Diskussion eingeschaltet und gefordert den Namen des 94-Jährigen "nicht zu beschmutzen". "Wir sollten nicht nur an uns selbst denken - das ist, wie in Madibas Gesicht zu spucken", erklärte Tutu.