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Mangelnde Bildung - hässliche Bücher

Von Edwin Baumgartner

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Groß war die Aufregung über die Ausgabe von Franz Kafkas "Schloß" im Verlag Gehlen & Schulz. Niemand hat je besser das Hohelied des Rechtschreibfehlers gesungen.

Jetzt stellt sich heraus: Es war eine Aktion zur Bildungsdiskussion. Die Gruppe "The BirdBase" steckt dahinter.

Sie schmuggelte rund 1800 Rechtschreibfehler in die vorgeblich für Schulen bestimmte Edition.

Für die "VogelGrundler" ist das zweifellos ein Erfolg, immerhin kam die Affäre in Österreich und Deutschland gleichermaßen in die Medien. Wenngleich nicht ganz in jener Richtung, die sich "BirdBase" erhofft hat. Denn ein mit Rechtschreibfehlern übersätes Buch zeugt von unzulänglicher Verlagsarbeit. Ist aber ein einziger unzulänglicher Verlag schon ein Symptom für den Niedergang der Bildung?

Wirklich funktioniert hätte die Aktion perverserweise dann, wenn sich niemand der Sache angenommen hätte: "Das Schloß" voller Rechtschreibfehlern, und niemanden kümmert’s - das wäre wirklich ein Symptom für den Bildungsverfall.

Wobei die "BirdBase" nolens volens ein anderes Symptom aufgezeigt hat, das tatsächlich ein Symptom für den Bildungsverfall ist: die nachlassende Buchkultur. Nirgends in Europa sind Bücher so hässlich und werden so lieblos produziert wie im deutschsprachigen Raum. Den dünnen Papp-Einbänden, der Klebeheftung und dem schablonenhaften Satz stemmen sich nur noch ein paar Kleinverlage entgegen. In der Mehrheit aber ist das Buch längst ein Ramsch-Produkt, das man, falls überhaupt, einmal gelesen, schnell und ohne Bedauern in den Müll wirft.