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Mangelware freie Seminarplätze

Von Barbara Ottawa

Wissen

Die Liste ist lang und die von der ÖH gestern aufgezeigten Missstände an den Universitäten vielfältig. Doch das meiste lässt sich auf ein Hauptproblem reduzieren: Chronischer Geldmangel.


"Schon unter Rot-Schwarz war ein hürdenfreies Studium nicht möglich", gab die Vorsitzende der Bundes-ÖH, Patrice Fuchs, bei einer Pressekonferenz zu bedenken. Trotz steigender Studierendenzahlen sei das Budget nie erhöht worden worden. "Unter Schwarz-Blau wurde es sogar noch zusätzlich gekürzt."

An Zahlen nannte Fuchs, dass im Jahr 2002 noch 1,7 Mrd. Euro für die Unis ausgegeben wurden, heuer aber nur mehr 1,6 Mrd. "Die so oft als ,sensationell' bezeichneten Mittel im Globalbudget für 2004 werden vor allem durch die ab dann von den Unis zu tragenden Personalkosten und die Implementierung des UG02 verschlungen", rechnete die ÖH-Vertreterin vor.

Die budgetären Engpässe führten dazu, dass immer weniger Lehrveranstaltungen angeboten werden können, betonte Fuchs. Das wiederum führt zu einem Verhältnis von Anmeldungen zu freien Plätzen, das nicht selten bei über drei zu eins liegt.

Solche Probleme würden von den Unis dann oft mit "versteckten Eingangsbeschränkungen" gelöst. Beispiele dafür sind schwere Eingangsprüfungen, die Vergabe von freien Plätzen nur an Hauptfachstudierende oder in einem Fall sogar die Verlosung von Seminarplätzen, so Fuchs.

Beispiel Uni Wien

"Beinahe jede Studienrichtung an der Uni Wien hat ihre eigene Anmeldemodalität. Für die Studierenden bedeutet das einen enormen Zeitaufwand", fing Saskia Schindler vom Vorsitzteam der ÖH Uni Wien die Liste der Mängel an "ihrer" Hochschule an. "Viele Anmeldeverfahren, die im Sommer beginnen, benachteiligen Studierende, die nicht in Wien wohnen, sowie solche, die im Sommer arbeiten müssen."

Weithin bekannt sind die Probleme bei Massenstudien, wie Psychologie und Publizistik, aber auch in kleineren Studienrichtungen macht sich der Geldmangel teilweise drastisch bemerkbar. "Aus der Astronomie wissen wir, dass dieses Semester keine Pflichtpraktika angeboten werden können, weil die defekten Geräte wegen der finanziellen Engpässe nicht repariert werden können", berichtete Maria Lettner, ebenfalls vom Vorsitzteam der ÖH Uni Wien.

Ein weiteres Problem seien die Übergangsfristen vom alten zum neuen Studienplan, die nicht von allen Instituten verlängert worden seien.

Neben den fehlenden Lehrveranstaltungen strichen Schindler und Lettner noch die Platz- und Personalproblematik an den Bibliotheken hervor.

Auch die Rektoren vieler der ab dem kommenden Jahr insgesamt 21 österreichischen Universitäten betonten bei ihrem Amtsantritt zum neuen Semester die finanziellen Engpässe an ihren Bildungseinrichtungen.

Die Forderungen der ÖH

Das alles ist aber nur ein kleiner Teil der von der ÖH vorgelegten Mängelliste, die auch etwa die Problematik der Bakkalaureatsstudien, ausländischer Studierender und des Sprechstundenangebots umfasst.

"Die ÖH fordert nun die Regierung auf, sich ihrer politischen Verantwortung zu stellen und genügend Mittel für die Universitäten zur Verfügung zu stellen", schloss Lettner. Fuchs betonte, dass die "Aushungerung der Bildungslandschaft" nicht nur den Studierenden sondern auch dem Land schade. "Der Geldmangel darf auf keinen Fall den freien Hochschulzugang gefährden."

Wichtig sei für die ÖH aber auch eine besser Bildungsberatung für Schülerinnen und Schüler. Hier seien auch die Universitäten gefordert.

ÖVP: "Ausreichende Mittel"

Nicht nachvollziehen kann ÖVP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek die Kritik der ÖH. Der Bund investiere sehr viel in die Infrastruktur der Unis, betonte Brinek in einer Aussendung.

Seit Einführung der Studienbeiträge 2001 seien 181 Mill. Euro zur Verbesserung der Studienbedingungen an die Unis gegangen, aus den Forschungs-Sondermitteln 57 Mill. Euro für die Forschungsinfrastruktur. Die Unis müssten diese Mittel nun "zielgerichtet und effizient einsetzen". Darüber hinaus würden zahlreiche Uni-Bauten derzeit saniert.

Die Wissenschaftssprecherin der Wiener Grünen, Claudia Sommer-Smolik, die von 1995 bis 1997 selbst als ÖH-Chefin an der Uni Wien fungierte, forderte hingegen den Rücktritt von Bildungsministerin Gehrer: "Zuerst Studiengebühren, dann eine Uni-Reform, die die Mitbestimmung weitgehend abschafft und ein Universitätsbudget, das zu solchen Missständen führt."