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Manhattans letzte große Brache

Von WZ-Korrespondentin Christine Mattauch aus New York

Wirtschaft
Vom neuen Stadtteil sieht man noch nicht viel, die U-Bahn-Anbindung gibt es aber schon.
© © © Emily Anne Epstein/Corbis

Abschwung bei Gewerbe-Immobilien könnte Projekt noch bremsen.


New York. Simon Oren hat Gespür für Trends. Der New Yorker Brasserie-König eröffnete sein neuestes Restaurant "404" an der 10. Avenue in Midtown Manhattan, eine Gegend, in die noch vor wenigen Jahren kein vorsichtiger Mensch einen Fuß gesetzt hätte. Heute gilt sie bei Kennern als Juwel: das größte noch verbleibende Entwicklungsgebiet in Manhattan, Arbeitstitel Hudson Yards.

Auf der rund zehn Hektar großen Fläche wird eine "Stadt in der Stadt" entstehen. Insgesamt 15 Milliarden Dollar (10,86 Milliarden Euro) will der New Yorker Entwickler Related investieren. Die Bauzeit wird mindestens 15 Jahre betragen. "Die Hudson Yards sind das Herzstück für unsere Vision von einem neuen Midtown Manhattan", sagt Bürgermeister Michael Bloomberg.

Kern von Hudson Yards wird eine 70.000 Quadratmeter große Mall. Geplant sind darüber hinaus eine halbe Million Quadratmeter Büroflächen, 5000 Wohnungen, ein Fünf-Sterne-Hotel, eine Schule und großzügige Grün- und Freizeitflächen. Zur besseren Anbindung wird die U-Bahn-Linie 7 verlängert.

Die Planung für das Großprojekt hatte sich über 20 Jahre hingezogen und nahm erst Fahrt auf, als Bloomberg sie zur Chefsache erklärte. Doch auch dann gab es Rückschläge: Die Idee für ein Stadion scheiterte ebenso wie die für ein neues Kongresszentrum. Der Stadtrat tat sich schwer, die Industrieflächen in ein hochverdichtetes Geschäftsviertel umzuwidmen. Als sich 2008 mit Related ein erfahrener Entwickler die Baurechte sicherte, schienen sämtliche Hürden aus dem Weg geräumt. Dann platzte aber die Immobilienblase Anfang 2010 verabschiedete sich Kooperationspartner Goldman Sachs. Einen neuen Teilhaber fand Related nun im kanadischen Immobilienfinanzierer Oxford Properties.

Erster Mieter gefunden

Im heurigen Frühling begann schließlich die Mietersuche. Mitte September meldete die Firma, sie sei mit einem Dutzend potenzieller Käufer und Mieter in "ernsthaften Gesprächen". Anfang November wurde der erste Vertrag mit dem Handtaschenhersteller Coach abgeschlossen. Er möchte dort rund 60.000 Quadratmeter erwerben. "Wir hoffen auf weitere Vertragsabschlüsse bis Jahresende", sagte eine Sprecherin.

Baubeginn wäre Mitte 2012 - wenn nicht abermals ein Wirtschaftseinbruch die Entwicklung verzögert. Denn der Gewerbeimmobilienmarkt verliert wieder an Kraft. In den ersten sechs Monaten 2011 hatten laut Real Capital Analytics Gewerbeimmobilien im Wert von 93 Milliarden Dollar den Besitzer gewechselt, doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum - aber im August sanken die Umsätze im Vergleich zu 2010 bereits wieder. Zudem bremst der Abschwung auch die Nachfrage.

Firmen wollen umziehen

Was Hudson Yards angeht, so bleibt langfristig Grund zu Optimismus, denn über 60 Prozent der Bürogebäude in Manhattan sind mehr als 50 Jahre alt. Viele Firmen warten auf eine Gelegenheit, in moderne Räume umzuziehen, die Platz sparen und weniger Energie verbrauchen.

Der Wettbewerb ist aber groß. In Downtown Manhattan entstehen beim Ground Zero große Büroflächen, und auch in Midtown wächst Konkurrenz. Insgesamt werden bis 2020 mehr als 2,3 Millionen Quadratmeter neue Bürofläche entstehen, so die Schätzung von Experten.