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Männlich, trunken, fernschauend sucht... geeigneten Arbeitgeber

Von Tamara Arthofer

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Tamara Arthofer
Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

Offenbar halten viele den Fußball-Fan an sich nach wie vor für minderbemittelt. Da lieber gleich die Arbeit bleiben lassen.


Der gemeine Fußball-Fan muss in etwa so aussehen: Er sitzt während des Kundenverkehrs in völlig unpassender Kleidung am Schreibtisch, hat einen eingeschaltenen Fernseher davor und eine Kiste Bier daneben, in den Pausen (nicht in den Arbeits-, sondern den Fußball-Pausen) lässt er den Gesprächspartner sitzen und verabschiedet sich im besten Fall mit einem Olé-Olé ins Nachbarbüro zum Panini-Pickerltausch. Man kann es ja schon als Erfolg sehen, dass er überhaupt im Büro erschienen ist.

Offenbar ist das Klischee, dass das Hirn aussetzt, sobald das Spiel einsetzt, einfach nicht auszurotten. Sonst hätte wohl nicht die Arbeiterkammer allen Ernstes einen Folder herausgegeben, der die strittigen Punkte - Darf ich während der Arbeitszeit fernsehen? Was passiert, wenn ich mich über das Alkoholverbot hinwegsetze oder unentschuldigt fehle? - ein für alle Mal klärt.

Der Vollständigkeit halber die richtigen Antworten: 1. Nur wenn es erlaubt ist; 2. dann droht die Entlassung; 3. siehe 2. Klingt ganz schön streng. Immerhin sieht die AK ein, dass Gemeinschaftsaktivitäten wie das Pickerltauschen dem Betriebsklima dienlich sein können. Außerdem: Es geht auch ohne Fußball, zwar nicht gut, aber irgendwie, das haben der spielfreie Montag und Dienstag - quasi als sanfte Vorbereitung auf das obligatorische Post-Euro-Trauma - gezeigt. Man kann es aber auch so handhaben, wie es Guntram Schneider, Arbeitsminister der SPD in Nordrhein-Westfalen, vorschlägt. Er rief die Arbeitgeber dazu auf, ihre Beschäftigten am Donnerstag das Halbfinale Deutschland gegen Italien sehen zu lassen. Das Match sei historisch, und die Volkswirtschaft werde schon nicht zusammenbrechen, meint er. Einige Arbeitgeber in Deutschland haben das ohnehin schon vorher so gehandhabt. Offenbar sind die doch nicht so intolerant, wie ihnen mancherorts bescheinigt wird. Vielleicht ist die Einstellung der Arbeitgeber, die das gemeinschaftliche Fernsehen gestatten, aber auch mehr dem Selbstschutz geschuldet denn der Toleranz. Entweder weil der Chef selbst schauen will oder einsieht, dass man es lieber gleich sein lässt, bevor die Diskussionen zu obigen Punkten beginnen. Eh kein schlechter Zugang. Die Euro ist ja bald vorbei. Und die Hoffnung lebt, dass sich selbst die größten Fans dann wieder in normale Menschen verwandeln.