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Maori-Partei Zünglein an der Waage?

Von Christiane Oelrich

Politik

Krise schwächt die Labour-Regierung. | Koalitionspartner gesucht. | Singapur. (dpa) Mit der Spannung im Wahlkampf in der USA konnte das Rennen um das höchste Regierungsamt in Neuseeland nicht mithalten. Bei den Wahlen am Samstag stehen sich Premierministerin Helen Clark (58) und Oppositionsführer John Key (47) gegenüber, und beide haben ihre gut drei Millionen wahlberechtigten Landsleute bisher nicht gerade in Begeisterungsstürme versetzt.


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Clark liegt mit ihrer Labour-Minderheitsregierung in den Umfragen zurück. Die Finanzkrise hat im Land der Häuslebesitzer durch sinkende Immobilienwerte so manchen Hypothekenbesitzer in Schwierigkeiten gebracht, Die Regierung musste im Oktober das erste Haushaltsdefizit seit 1994 verkünden, mit der Prognose, dass dies in vier Jahren auf 1,5 Milliarden Euro explodiert.

Doch auch die konservative Nationale Partei liegt laut Umfragen nur bei 47 Prozent (Labour bei 35). Damit deutet alles auf eine Koalitionsregierung hin, in der kleinere Parteien das Zünglein an der Waage spielen.

Premierministerin Clark gilt als "zähester Mann im Kabinett". "Sie ist nicht gerade ein Typ zum Knuddeln, und sie küsst keine Babys", schrieb ein Kolumnist der Zeitung "Sunday Star Times". Die Sozialistin sitzt seit 1981 im Parlament und hat wie niemand vor ihr drei Wahlsiege in Folge eingefahren. Sie hat ihr Privatleben der politischen Karriere immer untergeordnet. Sie erzählte Reportern, dass sie 1981 nur unter dem Druck der Partei ihren Lebenspartner heiratete.

Familienvater Key arbeitete unter anderem in Singapur und London und machte als Währungshändler Millionen. Er ist der reichste Abgeordnete im 120-Sitze-Parlament. Politisch ist er verglichen mit Clark noch ein Greenhorn. Er ging erst 2002 in die Politik und führt die Nationale Partei erst seit zwei Jahren an. Sein Vater starb früh, und die Mutter zog die Kinder mit staatlicher Unterstützung alleine groß.

Ein möglicher Koalitionspartner für Clark sind die Grünen, die nach Umfragen acht Prozent erreichen könnten. Die Konservativen könnten auf die libertäre ACT-Partei und die rechte Vereinte Zukunftspartei zählen, doch eine Mehrheit kommt damit auch noch nicht zustande. Dann käme die Partei der Ureinwohner, der Maoris, zum Zuge, die wahrscheinlich sieben Sitze gewinnen wird. Die Partei hat sich noch nicht geäußert, welche Regierung sie stützen würde.