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Mara, geläuterter Umstürzler

Von Alexander U. Mathé

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Tevita Kapaiwai Lutunauga Uluilakeba Mara. Foto: youtube

2006 noch einer der Rädelsführer des Putsches auf Fidschi, geht ein Oberstleutnant gegen seine ehemaligen Vorgesetzten vor und findet Anklang in Australien.


Ratu Tevita Mara ist einen Monat lang im Exil auf Tonga festgesessen. Dort träumte er davon, Neuseeland, Australien und die USA (samt UNO in New York) zu besuchen. Nun scheint es, als ob seine Wünsche beginnen, sich zu erfüllen. Denn am Donnerstag ist der Oberstleutnant der fidschianischen Streitkräfte in Sydney eingetroffen - obwohl er bis dahin mit einem Einreiseverbot belegt war.

Mara war die rechte Hand von Kommodore Frank Bainimarama, der sich im Jahr 2006 in Fidschi an die Macht geputscht hat. Dieser Staatsstreich kam dem Oberstleutnant sehr zupass. Nur sechs Jahre zuvor hatte es schon einmal einen Putsch gegeben. Da war sein Vater Ratu Sir Kamisese Mara, langjähriger erster Premierminister des Landes und später Präsident, entmachtet worden. Der war ein Vertreter der konservativen Tovata-Konföderation, einem einflussreichen Zusammenschluss von Häuptlingstümern. Mit dem Putsch 2006 wurde die Vorherrschaft der Konkurrenz der Tovata wieder etwas eingebremst.

Inzwischen ist Tevita Mara der Ratu (wie eine fidschianische Bezeichnung für einen Häuptling lautet). Als eine der Hauptfiguren des Putsches von 2006 war er allerdings Persona non grata in Australien. Die Australier haben den Staatsstreich nämlich ebenso wenig goutiert wie die UNO oder die EU (die ihre Unterstützung für das Südseeparadies eingestellt hat).

Auf Fidschi wollte Mara allerdings auch nicht länger bleiben. Wurde er doch letzten Monat angeklagt, die Umstürzler stürzen zu wollen. Er flüchtete daraufhin ins benachbarte Tonga. Hört man seinen Reden zu, kann man durchaus zum Schluss gelangen, dass dieser Vorwurf nicht aus der Luft gegriffen ist, denn er wünscht sehnlichst das Ende der Militärregierung. Vor allem via Youtube verbreitete er von seinem tongaischen Exil aus die Kunde von der Korruption und der Gier seiner früheren Vorgesetzten. Das Regime werde nicht wie versprochen im Jahr 2014 Wahlen für einen demokratischen Regierungswechsel abhalten, fürchtet er. Gegner würden mit Gewalt ruhig gehalten.

In Australien ist man nun gewillt, ihm zuzuhören, zumal Mara sich für möglichst baldige demokratische Wahlen auf Fidschi einsetzt. Ein Einreisevisum wurde ihm kurz vor seiner Abreise gewährt. Treffen mit Regierungsvertretern in Canberra sind angeblich bereits arrangiert.

Weniger glücklich über diesen Empfang ist naturgemäß die fidschianische Regierung. "Australien riskiert eine Eskalation der Spannungen mit Fidschi", erklärte der Außenminister, der sich um eine Auslieferung Maras aus Tonga bemüht hatte.

Während Kommodore Bainimarama seinen ehemaligen Oberstleutnant als "kleines Kind, das keine Ahnung davon hat, was vor sich geht" bezeichnete, bereitet Mara schon seine nächste Reise vor: Er will nach Neuseeland.