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Marcel "Hättiwari" Koller

Von Christian Mayr

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ÖFB-Teamchef Marcel Koller ist in seiner prinzipiellen Reserviertheit immer wieder für Überraschungen gut. Vor etwa einem Jahr sorgte er für viele Lacher und Seite-1-Fotos, als er mit Baskenmütze und Baguette zur Pressekonferenz erschien, um die geschaffte Fahrkarte zur EM nach Frankreich zu zelebrieren. Jetzt, wo es wieder einmal eine Niederlage zu analysieren galt, überraschte er die Journalisten im selben Rahmen mit angriffiger Genervtheit. Dass Fragen unterbrochen werden und live im TV angerührt herumdiskutiert wird, gereichte Koller wahrlich nicht zur Ehre und offenbart Verunsicherung statt Überzeugtheit im Tun. Emotional mag dies verständlich und auch seinem lädierten Knie geschuldet sein, Derartiges kennt man aber eher von arroganten Star-Trainern in den Spitzenligen dieser Welt. Aber noch was sorgte für Erstaunen in der Journaille: Schon in seinem Eingangsstatement erwähnte er, dass seiner Elf beim 2:3 in Serbien vom Schiedsrichter gleich zwei Penaltys vorenthalten worden wären und ein Rückpass zum Torhüter in Minute 93 übersehen worden wäre. Der Rückpass war zugegeben ein Grenzfall, die angeblichen Elfmeterfouls hat aber nun wirklich niemand mitbekommen (auch nicht seine Spieler auf dem Platz). Hier geht es aber um etwas Anderes: Koller ist 2011 angetreten, um mit der Verhaberung, der laxen österreichischen Arbeitsmoral und der Konzeptlosigkeit aufzuräumen. Das hat lange sehr gut funktioniert. Jetzt hat man das Gefühl, dass in schwierigen Zeiten wieder die Schuld bei anderen gesucht und mangelndes Glück beklagt wird (wiewohl übersehen wird, dass das 2:2 ein Geschenk war). Marcel Koller ist sozusagen zum "Hättiwari" geworden - und das ist nicht gut so.