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Marek: Distanz zu Häupl und Strache im Wahlkampf

Von Christian Mayr

Politik

Neue Wiener ÖVP-Chefin setzt auf Weg der Mitte. | "Wahlkampf auch mit Fekter." | "Wiener Zeitung": Was werden Ihre Schwerpunkte als neue Wiener ÖVP-Chefin und Spitzenkandidatin für die Wien-Wahl sein? | Christine Marek: Wir werden im Wahlkampf auf dem aufbauen, was professionell vorbereitet worden ist. Im Wesentlichen haben wir drei große Themenbereiche: Sicherheit und Integration, Wirtschaft und Arbeit sowie Jugend und Familie.


Wobei mir beim ersten Punkt wichtig ist, dass Sicherheit und Integration nicht automatisch vermischt werden. Da gibt es, was die Schule betrifft, viel zu tun. Und zwei Drittel der Klienten am Wiener AMS für Jugendliche haben Migrationshintergrund, was eine Riesen-Herausforderung darstellt, besondern in der Lehrlingssituation. Auch bei der Wohnsituation - Stichwort Ghettoisierung - muss man ansetzen.

Und punkto Sicherheit?

Da werden wir ganz klar mit Maria Fekter unsere Schwerpunkte weitertragen. Sie stellt ja 1200 zusätzliche Polizisten für Wien zur Verfügung.

Welche Ansätze braucht es für die Wiener Wirtschaft?

Wien muss besser und attraktiver werden, um im Standortwettbewerb mit Niederösterreich und der ganzen Centrope-Region zu punkten. Wir werden ein Konzept erarbeiten, wie man Unternehmen nach Wien locken kann und sie nicht mehr vertreibt wie derzeit. Denn der Bürokratieaufwand in Wien ist dermaßen gigantisch.

Für Jugend und Familie sind Sie ja derzeit schon in der Regierung zuständig.

Da geht es auch um die Frage, was für ein Lebensgefühl wir in der Stadt haben und ob nicht manche Dinge besser sein könnte. Stichwort 24-Stunden-U-Bahn am Wochenende.

Eine alte ÖVP-Idee.

Das habe ich ja hochspannend gefunden, dass Bürgermeister Häupl jetzt anscheinend gemerkt hat, dass das eine gute Idee ist. So wie er es beim Gratis-Kindergarten - ein Baby von mir - auch gemerkt hat. Aber ich finde es irritierend, wenn er erst die Bevölkerung fragen muss. Wir können ihm da gerne behilflich sein.

Vom Setting her wirkt es, als wollen Sie sich nicht aktiv im prognostizierten Hahnenkampf Häupl gegen Strache einmischen, sondern bewusst aus dem vielleicht schmutzigsten Wahlkampf aller Zeiten raushalten.

Ganz genau. Ich glaube, dass man in der Wiener Bevölkerung nur mit konstruktiven Lösungsansätzen punkten kann. Diese bloße Verwaltung ohne konkrete Lösungen wie es die SPÖ macht, und auf der anderen Seite die Total-Brachial-Opposition der FPÖ - ich glaube, da gibts dazwischen ganz viel Platz. Das können die Grünen nicht einmal annähernd so ansprechen - und wenn, dann mit sehr einseitigen Themen.

Zugleich kündigen Sie einen Wahlkampf mit Fekter an, die das Image einer Hardlinerin hat. Wird damit der rechte Rand gegenüber die FPÖ abgesichert?

Fekter hat dort, wo es notwendig war, einfach gehandelt. Es geht auch um das subjektive Sicherheitsgefühl in Wien, das hat nichts mit Hardlinerin zu tun. Ich bin seit 2007 ÖVP-Integrationsbeauftragte, habe mit Experten und der Migranten-Community an Integrationskonzepten gearbeitet. Beides hat Platz und beides ist auch notwendig. Das ist kein Widerspruch.

Sie sind jetzt die erste Frau an der Spitze der Wiener ÖVP .. .

Darauf bin ich auch ganz stolz!

Wird's jetzt mehr Frauenthemen geben oder mehr Frauen in Ihrem Team?

Johannes Hahn hat schon vorexerziert, dass es einen ausgewogenen Weg geben muss. Den werde ich fortführen. Alles was einseitig ist, ist problematisch.

Wird Harald Himmer, der am Montag zurückgezogen hat, in Ihrem Team eine Rolle spielen - gleichsam als Abgeltung?

Da gehts nicht um Abgeltung. Himmer ist eine Persönlichkeit, auf die wir nicht verzichten können. Wir werden uns sicher überlegen, wie wir gemeinsam marschieren können - und zwar nach vorne und nicht gegeneinander.

Würden Sie Strache, wenn es die Möglichkeit gibt, zum Bürgermeister machen?

Ich weiß nicht, ob er überhaupt bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Das wird er zeigen müssen, immerhin kandidiert er überall rechts vom Arlberg.

Bleibt wohl nur, als Juniorpartner mit der SPÖ eine Koalition zu bilden.

Fest stehen tut gar nichts. Wir müssen so stark werden, dass ohne uns nicht regiert werden kann. Dann schauen wir weiter.