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Mario Draghi drückt den Euro-Kurs

Von Thomas Seifert

Politik

Ein niedrigerer Euro-Kurs nützt der europäischen Exportindustrie - Experten des Alpacher Finanzsymposiums prognostizieren weiteren Euro-Sinkflug.


Frankfurt/Alpbach/Wien. Mit der Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe aus Krisenländern aufzukaufen, hat EZB-Präsident Mario Draghi auch dazu beigetragen, den Euro weiter auf Talfahrt zu schicken. Mit dieser Maßnahme geht es der EZB zwar darum, der stagnierenden Wirtschaft und schleppenden Kreditvergabe - vor allem in den Krisenländern - entgegenzuwirken, der Sinkflug des Euro-Kurses ist für die europäischen Notenbanker in Frankfurt ein hochwillkommener Kollateralnutzen.

Denn ein niedriger Euro-Kurs (im Vergleich zum Dollar) hilft der europäischen Exportindustrie, da Waren aus der Euro-Zone für Importeure außerhalb der Eurozone billiger werden. Ein niedrigerer Euro-Kurs im Vergleich zum Dollar macht zwar auch Importe teurer und wirkt somit inflationstreibend, bei der derzeit extrem niedrigen Inflationsrate im Euro-Raum halten die Notenbanker diesen Inflationsfaktor aber offenbar für wenig problematisch.

Das Sinken des Euro-Kurses wird wohl in den kommenden Monaten weitergehen: Experten gehen in ihrer diesjährigen Alpbacher Zins- und Währungsprognose davon aus, dass der Euro sich im Vergleich zum Dollar noch schwächer wird und im Sommer 2015 ein Euro nur mehr 1,1825 Dollar statt - wie am 1. Oktober 2014 noch 1,2603 Dollar - kostet. Die an der Prognosestellung beteiligten Experten von BAWAG P.S.K., Commerzbank, Erste Bank, Raiffeisenbank International (RBI) und UniCredit rechnen damit, dass bis Mitte des kommenden Jahres die langfristigen Zinsen sowohl in Europa als auch in den USA steigen werden, der Euro sich zum US-Dollar abschwächen und der Ölpreis kräftig ansteigen wird. Bei den osteuropäischen Währungen sollte es dagegen zu keinen wesentlichen Änderungen kommen.

Der Grund für das weitere Ansteigen des Dollar-Kurses: Während die Europäische Zentralbank (genauso wie die Bank of Japan) ihre Stimulus-Kampagne nun schon seit Monaten intensiviert, schränkt die US-Notenbank Federal Reserve ihren geldpolitischen Aktivismus zunehmend ein. Wobei die Fed in ihren Maßnahmen viel weiter gegangen ist als die EZB und etwa mit dem geldpolitischen Instrument der quantitativen Lockerung mit frisch gedrucktem Geld Staatsanleihen aufgekauft hat. Derartigen Maßnahmen in der Eurozone hat sich Deutschland entschlossen entgegengestellt. Der deutsche Bundesbank-Chef Jens Weidmann war zuletzt auch gegen das Wertpapier-Kaufprogramm, das die EZB bereits vor einem Monat gegen den Widerstand von Bundesbank-Chef Jens Weidmann beschlossen hatte und das mindestens zwei Jahre laufen soll. Laut Draghis am Donnerstag in Neapel getätigten Aussagen liegt das maximal kaufbare Marktvolumen bei rund einer Billion Euro. "Aber das bedeutet natürlich nicht, dass wir bis zu dieser Höhe gehen werden."

Raiffeisen-Chefanalyst Peter Brezinschek meinte beim Alpbacher Finanzsymposium am Freitag, von der Geldpolitik als "universales Wunder" sei nicht allzu viel zu erwarten. Nach einem Bericht der "New York Times" vom Freitag werde die US-Regierung dem steigenden Dollar-Kurs vorerst tatenlos zusehen. Eine Erholung der europäischen Wirtschaft würde auch der US-Wirtschaft nützen, so das Argument.