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"Märkte haben auf dieses Signal gewartet"

Von Hermann Sileitsch

Wirtschaft
Josef Zechner ist Professor für Finanzwirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien. Newald
© © Robert Newald

In Österreich sind Eigentumsstrukturen der Banken Hürde für Kapitalisierung.


"Wiener Zeitung":War dieser EU-Gipfel der Wendepunkt, auf den alle gewartet haben?Josef Zechner: Das wichtige Signal war, dass die Politik eine Einigung erzielen konnte. Darauf haben die Märkte gewartet. Allerdings sind viele Details noch unklar - etwa, wie der Schuldenschnitt sich auf die griechische Verschuldung auswirkt. Mir kommen die Zahlen sehr hoch vor, immerhin hält die EZB einen großen Teil der Anleihen.

Der im Juli beschlossene 21-Prozent-Verzicht war eine Art Mogelpackung und für die Gläubigerbanken sehr günstig. Erwarten Sie nun mehr Strenge?

Ganz schlecht für die Banken kann der jetzt erwartete Deal auch nicht sein, wenn ich mir ansehe, wie die Aktien von Finanzwerten europaweit in die Höhe geschossen sind.

Österreichs Banken müssen 2,9 Milliarden Euro an Kapital aufstellen. Was ändert sich dadurch?

Die Brisanz in Österreich liegt darin, dass wir Strukturen im Bankensektor haben, die eine rasche Kapitalisierung über die Eigentümer sehr schwierig machen. Das betrifft nicht nur die Erste Group mit ihrer Eigentümerstiftung, sondern auch den zweistufigen Volksbanken- und dreistufigen Raiffeisensektor.

Können die heimischen Banken diese Kapitalerhöhung überhaupt über den Markt stemmen?

Das hängt von den nächsten Wochen ab. Die Unicredit etwa hat ein günstiges Zeitfenster für Kapitalerhöhungen genutzt - das haben aber nicht alle getan. Jetzt haben wir enthusiastische Börsen-Reaktionen, die gab es aber auch nach dem Juli-Gipfel. Das war, wie wir wissen, ein Strohfeuer. Sollte diese Unsicherheit zurückkehren, ist es nicht schaffbar. Dann müsste der Staat einspringen.

Was sind die Lehren aus dem ersten Banken-Hilfspaket?

Der Staat ist kein besonders erfolgreicher Banker. Es müsste also eine temporäre Lösung mit einer klaren Exitstrategie sein. Andererseits muss der Steuerzahler natürlich einen fairen Deal kriegen - es müsste also eine direkte Beteiligung mit Stimmrechten sein. Gefährlich wäre aber eine Symbiose, in der der Staat den Banken aushilft und diese dafür den Staatshaushalt finanzieren.

Könnte eine Kreditklemme drohen?

Rein akademisch betrachtet könnte der Kapitalbedarf anders gelöst werden - indem Schulden in Beteiligungen gewandelt werden. Dazu braucht es aber die Bereitschaft, dass sich die Eigentumsverhältnisse verschieben - da habe ich in Österreich Zweifel.

Halten Sie die EFSF-Hebelung für erfolgversprechend?

Ich glaube schon, dass die geplante Teilausfallversicherung von Staatsanleihen auf dem Markt auf Akzeptanz stoßen wird.