Zum Hauptinhalt springen

Märkte im Baltikum als Sprungbrett nach Russland

Von Franz Steinbauer

Wirtschaft

Rechtssicherheit als Standortvorteil in Estland, Litauen und Lettland. | Österreicher zu wenig im Baltikum und Skandinavien vertreten. | Wien. Heimische Unternehmen laufen Gefahr, den Nordosteuropa zu wenig zu beachten. Die Österreicher seien in Litauen, Lettland und Estland stark unterrepräsentiert, sagt der Vice President des Consulters A.T. Kearney Mitteleuropa, Stefan Höffinger, der "Wiener Zeitung". Wie eine A.T. Kearney-Studie feststellt, ist das heimische Kapital im Baltikum nur mit 0,29 Mrd. Euro an Direktinvestitionen vertreten. In den angestammten Expansionsländern Tschechien, Ungarn und Kroatien hingegen haben die Österreicher laut der Studie vom Beginn der neunziger Jahre bis Ende 2005 12,85 Mrd. Euro investiert.


"Die baltischen Staaten sind ein sehr guter Brückenkopf für Russland und für den Nordosten Europas", erklärt der Wirtschaftsberater. Vor allem habe man die Rechtssicherheit der Europäischen Union (EU) als Vorteil und könne, während man Tallin oder Riga erschließt, bereits die Fühler nach St. Petersburg und Moskau ausstrecken. Zusätzlich biete sich die Chance, nach Skandinavien zu expandieren, wo die heimische Wirtschaft ebenfalls relativ schwach vertreten ist.

Region wächst im

zweistelligen Bereich

Der baltische Raum sei zwar relativ klein, allerdings ähnlich dynamisch wie China. Im Jahr 2006 wies China eine Wachstumsrate von 10,7 Prozent auf, während Lettland und Estland um 11,7 bzw. 11,5 Prozent wuchsen. Litauen legte um 7,4 Prozent zu.

"Das Wirtschaftswachstum im Baltikum ist qualitativ hochwertiger als in China, weil hier die strengeren EU-Standards eingehalten werden müssen. In Asien geht der Wirtschaftsboom oft auf Kosten der Umwelt oder des sozialen Absicherungsniveaus", so Höffinger. Für mittelständische Unternehmen aus Österreich stelle sich die Frage, ob sie nicht statt in China zu investieren, lieber in das geografisch nähere Baltikum gehen sollten.

EU pumpt 150 Mrd. Euro in den Osten

Die zu erwartenden EU-Geldmittel für Mittel- und Osteuropa würden den Aufschwung langfristig absichern. "Die EU zahlt aus dem Struktur- und Kohäsionsfonds von 2007 bis 2013 insgesamt 150 Mrd. Euro aus", erklärt der Wirtschaftsberater. Der Aufholprozess der osteuropäischen Länder könnte rascher ausfallen, als sich viele in Westeuropa träumen ließen. Erst jüngst habe ein estnischer Spitzenpolitiker erklärt, er wolle, dass sein Land möglichst schnell zu den Top-5 der Europäischen Union gehöre.

Als Beispiel für einen gelungenen Aufholprozess eines einstigen Nachzüglers führt Höffinger Irland an: "Der keltische Tiger hat die EU-Transferzahlungen genutzt. Während die Wirtschaftsleistung Irlands pro Kopf im Jahr 1991 nur 59 Prozent des EU-Durchschnitts betrug, hatte man 1998 gleichgezogen. 2005 machte die Wirtschaftsleistung pro Kopf 146 Prozent des Durchschnitts der 15 alten EU-Staaten aus."