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Märkte stumpfen im US-Streit ab

Von Alexander U. Mathé

Analysen

Im Vergleich zu früher sind die Ausschläge relativ gemäßigt.


Wahrscheinlich fürchten auch Sie sich nicht mehr wirklich in der Geisterbahn. Ähnlich geht es den Finanzmärkten mit drohenden Zahlungsausfällen und Ratingherabstufungen der USA. Früher war das anders. Als die Querelen zwischen Obama und dem Kongress die USA 2011 an den Rand der Zahlungsunfähigkeit brachten, sackte der S&P 500, der Aktienindex der größten börsennotierten US-Unternehmen, um 17 Prozent ab und brauchte sechs Monate, bis er sich wieder erholte. Auch letztes Jahr noch hielt der Streit über Schuldenbremse und automatische Ausgabenkürzungen die Finanzwelt in Atem. Im Wochentakt wurden Gerüchte über eine Einigung verbreitet, die bald darauf entkräftet wurden. Jedes Mal gingen die Märkte auf Berg- und Talfahrt. Grundproblem ist dabei, dass stets lediglich ein Aufschub ausgehandelt wird, statt einer echten Lösung.

Auch diesmal ist es nicht anders. Die Schuldenobergrenze wurde bis zum 7. Februar erhöht, der Übergangshaushalt läuft sogar nur bis zum 15. Jänner. Was inzwischen jedoch wegfällt, sind die erschrockenen Reaktionen der Finanzmärkte. Sowohl der Dow Jones als auch der S&P 500 reagierten im überschaubaren Rahmen und erholten sich schnell wieder. Beobachtet man die Entwicklung des europäischen Aktienindex Eurostoxx und des deutschen Dax, so lässt sich zwar im Vorfeld der Deadline des 1. Oktober für ein neues Budget ein leichter Abwärtstrend beobachten, doch beide schafften es, trotz ausstehender Einigung kräftig zuzulegen. Kontrastierend dazu fiel der japanische Nikkei auch noch nach einer fehlenden Einigung zum Stichtag 1. Oktober.

Das Ultimatum des 17. Oktobers, bei dem noch die Anhebung der Schuldengrenze hinzukam, schien schon überhaupt keinen negativen Einfluss mehr zu haben und alle Indizes erholten sich fröhlich in den Tagen davor. Dabei wurde wirklich das Äußerste getan, um ein möglichst grausiges Horrorszenario zu zeichnen. Keine Einigung über den Haushalt gepaart mit dem Zahlungsausfall und einer in diesem Fall unumgänglichen Herabstufung der USA auf Ramschstatus: Das hatte das Potenzial, die Weltwirtschaft ins Verderben zu stürzen. Allein: Die Märkte ließ das relativ kalt. Am seit einem Jahr anhaltenden generellen Aufwärtstrend änderte sich ohnedies nichts. Dass die Krise in Washington nicht gelöst, sondern nur aufgeschoben ist, zeigt sich woanders. Der Dollar verlor im Vergleich zu Euro und Yen an Wert. Auch der Goldpreis und die Zinsen auf US-Staatsanleihen zogen an. Was die Streitigkeiten in Washington hingegen schon bringen: Sie sind eine effiziente Art der Geldvernichtung. Der US-Government-Shutdown kostete kolportierte 24 Milliarden Dollar.