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Marktnische Elektromüll

Von Carola Palzecki, Bratislava

Europaarchiv

Nächstes Jahr tritt eine neue EU-Richtlinie in Kraft, wonach Hersteller von Elektrogeräten die Wiederverwertung des Abfalls aus ihren Produkten sicherstellen müssen. Clevere slowakische Geschäftsleute haben ihre Chance frühzeitig erkannt und sich auf das Recyceln von Elektromüll spezialisiert.


"Einmal bitte mit dem Tatramaten zum Abwiegen", sagt der Mann bei der städtischen Müllannahmestelle im südslowakischen Nitra mit ernstem Gesicht. Sorgsam stellt er das Gewicht der Waschmaschine fest und zahlt dem Überbringer danach umgerechnet knapp sechs Euro für das noch aus kommunistischer Zeit stammende Gerät. Jeder Slowake, der schon einmal Elektroschrott loswerden wollte, kennt dieses Szenario zur Genüge.

Wiederverwertung Pflicht

Im nächsten Jahr soll alles anders werden. Dann tritt in der Slowakei, wie übrigens auch in den anderen neuen EU-Mitgliedstaaten, die Brüsseler Richtlinie in Kraft, wonach die Hersteller von Elektro- und Elektronik-Geräten auch die Wiederverwertung des Abfalls aus ihren Produkten sicherstellen müssen. Die kommunalen Müllbetriebe kooperieren also in Zukunft mit den Produzenten von Elektrogeräten. Für den Bürger bedeutet das, dass er Elektroabfälle sowohl bei der Stadt als auch direkt bei einem Produzenten abliefern kann.

Bis zur Jahresmitte konnte in der Slowakei noch nicht der gesamte in dem 5,5 Millionen Einwohner zählenden Land anfallende Elektromüll recycelt werden. Damit taten sich lukrative Marktnischen für pfiffige Geschäftsleute auf. Einen guten Riecher zur rechten Zeit scheinen die Gründer des Unternehmens Elektro Recycling mit Sitz im mittelslowakischen Slovenská Lupca gehabt zu haben. Elektro Recycling betreibt seit Juni die größte Recycling-Anlage für Elektroschrott in Zentraleuropa. Das Unternehmen wurde schon alsbald nach Verabschiedung der EU-Vorgaben für Elektroschrott im Jahre 2002 gegründet. Das Top-Management gab aber erst nach dreijähriger Testphase grünes Licht für die Wiederverwertung von Elektroschrott unter realen Marktbedingungen.

Kapazität für 14.000 Tonnen

Elektro Recycling ist das einzige slowakische Unternehmen, bei dem jedweder Elektromüll verarbeitet werden kann. Momentan ist der Betrieb für eine jährliche Abfallmenge von 14.000 Tonnen eingerichtet. Nach Angaben der Unternehmensleitung reichen diese Kapazitäten aus, um sämtlichen in der Slowakei anfallenden Elektromüll fachgerecht aufzubereiten und auch noch Müll aus Tschechien zu verarbeiten.

Die Unternehmensgründer haben sich das einiges kosten lassen: Sie haben in den vergangenen drei Jahren die für slowakische Verhältnisse hohe Summe von umgerechnet 61 Mio. Euro in den Betrieb investiert. Der für die Vergabe von Umweltfördermitteln zuständige Recycling-Fonds der Slowakei gab noch einmal umgerechnet 21,5 Mio. Euro dazu; das sind zwei Drittel aller Gelder, die in diesem Jahr an auf die Wiederverwertung von Elektronikschrott spezialisierte Unternehmen gingen.

Der im Jahre 2001 gegründete Recycling-Fonds ist übrigens bemerkenswerterweise eine private Einrichtung, auch wenn er mit der Vergabe staatlicher Gelder beauftragt ist. Da in jüngster Zeit immer wieder Kritik an der vermeintlich willkürlichen Vergabepraxis des Recycling-Fonds laut geworden ist, gibt es Überlegungen, ihn wieder in staatliche Hände zu überführen.