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Marlene, die rätselhafte Diva

Von Hermann Schlösser

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Im letzten halben Jahr war Marlene Dietrich in allen Fernsehkanälen ungewöhnlich präsent. Das lag natürlich daran, dass verstorbene Künstler vor allem dann ins Fernsehen kommen, wenn sich ein "runder" Geburts- oder Todestag einstellt. Bei Marlene Dietrich trat beides in ziemlich rascher Folge hintereinander ein: Am 27. Dezember 2001 war ihr 100. Geburtstag, in dieser Woche gedachte man ihres 10. Todestags am 6. Mai. Also konnte man fast lückenlos durchfeiern. (Wahrscheinlich trug zum häufigen Auftreten der Schauspielerin auch noch Billy Wilders Tod bei: Denn einer seiner besten Filme, "Zeugin der Anklage", ist zugleich einer ihrer besten. Deshalb lief dieser unverwelkliche Klassiker im Winter mehrmals in memoriam Marlene, während er vor einigen Wochen in memoriam Billy Wilder ins Programm genommen werden konnte.)

Nun lässt man sich im Fall der Marlene Dietrich ein gewisses mediales Überangebot durchaus gefallen. Allzu viele Stars ihres Formats hat die Kinogeschichte ja nicht hervorgebracht. Die Frage, was ihre Faszination ausmacht, wurde in dieser Woche auch in dem Dokumentarfilm "Eine Diva aus Deutschland" (3sat) gestellt: Freunde, Kollegen und vor allem Maria Riva, die Tochter der Künstlerin, versuchten sie zu beantworten. Dabei griffen die Befragten immer wieder zu Adjektiven wie "unbeschreiblich", "unglaublich" usw., um zu erklären, dass Marlene Dietrich eine durch und durch rätselhafte Person gewesen ist. Und wie hätte das auch anders sein können? Nur wer der Welt Rätsel aufgibt, hat das Zeug zur Diva. Marlene Dietrich wusste das - wie jede wahre Diva.