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Marsmond in weiter Ferne

Von Eva Stanzl

Wissen
Der größte Krater auf Phobos heißt Stickney, nach Angeline Stickney, der Ehefrau des Entdeckers Asaph Hall.

Die russische Raumfahrtbehörde hat ein Zeitfenster von insgesamt drei Tagen.


Graz/Wien. Einen Brocken des Phobos möchten sie zur Erde tragen. Vorausgesetzt, die aufwendige Marsmond-Mission der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos geht doch noch gut.

Phobos, neben Deimos einer der beiden Trabanten des Planeten Mars, wurde 1877 entdeckt. Seine Entstehungsgeschichte ist unklar. Aufgrund seiner unregelmäßigen Form wird angenommen, dass er ein vom Mars eingefangener Asteroid ist, der im äußeren Asteroidengürtel entstanden ist. Russland hat sich zum Ziel gesetzt, das Geheimnis des kleinen Himmelskörpers mit 20 Kilometer Durchmesser zu lüften. Roskosmos will eine Sonde zum Marsmond schießen, die 2014 mit Bodenproben zur Erde zurückkehren soll.

Noch gibt es allerdings Probleme. Eine Zenit-Trägerrakete mit der 120 Millionen Euro teuren Messapparatur "Phobos-Grunt" ("Phobos-Boden") war am Dienstag planmäßig um 21.16 Uhr MEZ vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet und begab sich wie vorgesehen in eine Umlaufbahn um die Erde. Der Raumtransporter (der oberste Teil der Rakete), der die Messapparatur und die Sonde enthält, habe sich später auch wie geplant von der Trägerrakete getrennt. Jedoch hätten die Triebswerkszündungen des Raumtransporters versagt, teilte Roskosmos-Chef Wladimir Popowkin mit. Der Grund sei vermutlich ein defekter Motor, defekte Sensoren oder eine fehlerhafte Software.

Wegen der leerlaufenden Batterieleistung hat Roskosmos nun nur bis Freitag Zeit, um den Raumtransporter auf Kurs Richtung Phobos zu bringen. Misslingt das Vorhaben, droht Russlands erster interplanetarer Mission seit 15 Jahren das Fiasko. Der Transporter, der radioaktives Kobalt für die Messgeräte an Bord hat, könnte abstürzen.

Für Wolfgang Baumjohann, Direktor des Instituts für Weltraumforschung (IWF) in Graz, ist jedoch noch nicht alles verloren. Immerhin habe man noch einige Tage Zeit, um den Defekt zu finden und ihn zu beheben. "Der große Vorteil ist, dass man Funkkontakt hat zum Raumtransporter. Zu hoffen ist, dass das Gebrechen tatsächlich nur an der Software und nicht an der Hardware liegt." Wenn alles doch noch gut geht, soll die Sonde 2012 Mars und Phobos erreichen und bei Umrundungen Daten zur Erde funken. Für Anfang 2013 ist die Landung der Sonde auf dem Marsmond vorgesehen. Im August 2014 soll eine Kapsel Bodenproben zur Erde zurückbringen.

Außerdem soll der chinesische Satellit Yinghuo ("Glühwürmchen") auf einer Mars-Umlaufbahn ausgesetzt werden, um den Mond zu fotografieren und sein Magnetfeld zu vermessen. Weiters haben die IWF-Forscher aus Graz zusammen mit dem Swedish Institut for Space Physics ein Plasma-Spektrometer entwickelt, das die Masse von Teichen bestimmen kann, die die Atmosphäre eines Planeten verlassen. "Wir wollen besser verstehen, wie der Mars - etwa im Unterschied zur Venus - seine Atmosphäre verloren hat", erklärt Baumjohann. Die Beteiligung koste Österreich nichts, da man die Technik nur entwickelt, aber nicht gebaut habe. Insgesamt gebe der Bund für Beteiligungen an Weltraummissionen "jährlich zwischen zwei und drei Millionen Euro aus".

Die Forscher erhoffen sich von der Mission Erkenntnisse über die Entstehung unseres Sonnensystems. Roskosmos hatte den Start bereits für 2009 geplant, musste ihn aber wegen technischer Probleme verschieben.