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Marta Grande, italienische Spitzenpolitikerin aus dem Nichts

Von Alexander U. Mathé

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Eine 25-Jährige hat derzeit die besten Aussichten, die neue Präsidentin | des italienischen Abgeordnetenhauses zu werden.


Sie ist 25 Jahre alt, Studentin und derzeit die heißeste Aktie, wenn es darum geht, das italienische Abgeordnetenhaus zu präsidieren: Marta Grande von der Partei 5-Sterne-Bewegung (Movimento 5 Stelle, M5S), die mit ihrem außerordentlich guten Abschneiden bei den Parlamentswahlen Anfang der Woche überraschte. Selbst in Italien ist Grande eine große Unbekannte und Informationen über sie spärlich gesät.

Geboren ist Grande in der Stadt Civitavecchia in der Provinz Rom. Die wiederum befindet sich in der Region Latium, wo sie es bei den Wahlen die zweitmeisten Stimmen auf sich vereinen konnte und es somit ins Parlament schaffte. Dort ist sie die jüngste Abgeordnete der Fraktion, deren Volksvertreter an sich schon den niedrigsten Altersdurchschnitt haben. Beim Movimento 5 Stelle liegt er bei 33 Jahren, im Abgeordnetenhaus generell bei 45 Jahren.

Für den Abschluss ihres Studiums der Politikwissenschaft/Internationale Beziehungen an der Universität Rom III fehlt ihr nur noch die Diplomarbeit. Angesichts der politischen Aufgaben, die auf sie zukommen, wird das wohl nicht ganz einfach, doch Grande ist offenbar Arbeit gewohnt. So hat sie zum Beispiel bereits ein Studium absolviert. An der University of Alabama in Huntsville machte sie den Bachelor in Fremdsprachen und internationalem Handel. Mit 22 Jahren kehrte sie nach Italien zurück, wo sie einen Master in europäischen Studien anschloss und eine Arbeit über die Entwicklung der transatlantischen Beziehungen im Licht des Aufstiegs Chinas schrieb.

Noch vor einem halben Jahr, im Sommer 2012 - das Jahr, in dem sie der M5S-Bewegung beitrat -, belegte sie an der Universität Peking einen Kurs in Internationalen Beziehungen. Neben ihren Studien arbeitete Grande als Übersetzerin in Alabama und in Italien für die Umweltorganisation Greenpeace. Der Umweltorganisation half sie bei der Organisation des Anti-Atom-Referendums. Außerdem setzt sie sich bis heute aktiv für eine Wasserversorgung in öffentlicher Hand ein.

Marta Grande erinnert an Irene Pivetti. Vom anderen Ende des politischen Spektrums kommend, wurde die Abgeordnete der rechtspopulistischen Lega Nord 1994 im Alter von 31 Jahren als erste Frau Präsidentin des Abgeordnetenhauses und somit Nachfolgerin des heutigen Präsidenten Giorgio Napolitano. Einigen sich die M5S und die Mitte-Links-Koalition könnte Marta Grande, wenn schon nicht erste Frau, so doch die erste Studentin an der Spitze des Abgeordnetenhauses werden. Ob sie nicht Angst hat, dass Beppe Grillo ihr die Politik vorgeben wird? "Die Bewegung sind wir alle. Grillo ist nur ein Megafon, er wird nicht im Parlament sein."