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Maschinenbauer in Tschechien hoffen auf Auslands-Investitionen

Von Hans Paul Nosko, Brünn

Wirtschaft

Die Umsatzhoffnungen der in Tschechien ansässigen österreichischen Maschinenbau-Firmen ruhen großteils auf ausländischen Investitionen. Dies ist die einhellige Meinung, die Branchenvertreter auf der 45. Brünner Maschinenbaumesse äußerten. Angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage seien die meisten Unternehmen damit zufrieden, ihre Vorjahresergebnisse zu halten. Auf der Messe selbst sind eben soviele Aussteller wie im vergangenen Jahr präsent.


"Ohne ausländische Investitionen würden die Geschäfte schlecht gehen - und zwar nicht nur bei uns", sagt Jan Leimberger, Osteuropadirektor von Berndorf Band, am ersten Tag der Brünner Maschinenbaumesse. Seine Kunden kommen vor allem aus den Bereichen Holz- und Lebensmittelindustrie. Letztere Branche mit Vertretern wie Danone oder Nestle habe in jüngster Zeit nachgelassen, Umsatzbringer seien derzeit die Spanplattenproduzenten.

Sorgen bereitet Leimberger die Tendenz internationaler Konzerne, ihre Erzeugungsbetriebe aus Kostengründen immer weiter nach Osteuropa zu verlagern, etwa in die Ukraine. Aus diesen Gründen werde Berndorf die Märkte in Russland, im Baltikum und in Kasachstan in Zukunft stärker bearbeiten als bisher.

Die gegenüber Tschechien niedrigeren Unternehmenssteuern in der Slowakei spürt Leimberger "derzeit noch nicht". Den Vorjahresumsatz in Tschechien beziffert er mit 1 Mill. Euro, für das laufende Jahr rechnet er mit demselben Ergebnis. Auch der Schleifmittelhersteller Hermes hofft, sein Vorjahresergebnis (1,4 Mill. Euro) halten zu können. Jaroslav Kredba, der die tschechische Niederlassung der Österreich-Tochter von Hermes leitet, hat eine breit gefächerte Kundenpalette: Kfz-Hersteller, Maschinenbauer, Möbel- und Holzfirmen sowie die Keramik- und Glasindustrie zählen zu seinen Kunden.

Die größten Hoffnungen von Hermes Tschechien ruhen allerdings auf Geschäften mit Skoda/Volkswagen - und auf dem EU-Beitritt Tschechiens im kommenden Jahr: "Die Vereinfachungen an den Grenzen würden uns sehr gut tun", sagt Kredba. Derzeit seien etwa am österreichisch-tschechischen Grenzübergang in Drasenhofen Wartezeiten von zwölf Stunden keine Seltenheit.

Über schlechten Geschäftsgang in jüngster Vergangenheit klagt man bei Aichelin, Tochter von Berndorf Band und Hersteller von Wärmebehandlungsanlagen. "Es werden keine neuen Anlagen gekauft", berichtet Jiri Hirschfeld, der das Mödlinger Unternehmen in Tschechien vertritt. Vielmehr würden die Firmen, die ihre Produktion verlagerten, ihre eigenen Anlagen vom Westen in den Osten mitnehmen. Immerhin sei einiger Umsatz mit Ersatzteilen zu erzielen, vor allem auf dem Kfz-Sektor. Für heuer rechnet Hirschfeld mit Umsätzen von 1,1 Mill. Euro. 2002 wurden in Tschechien 300.000 Euro erzielt.

Der oberösterreichische Hersteller von Spritzgussmaschinen Engel will sein Vorjahresergebnis von 18 Mill. Euro in Tschechien zumindest halten. Das Unternehmen, das heuer eine Niederlassung in Südkorea eröffnet hat, setzt ebenfalls auf den Automobilbereich. "Ford produziert in Tschechien auf Engel-Maschinen", berichtet Verkaufsmanager Roland Draxler stolz. Das im Vorjahr durch die Überschwemmungen devastierte Werk im oö. Schwertberg sei wieder zur Gänze funktionstüchtig.

Auf der Brünner Maschinenbaumesse, die der bedeutendste Treffpunkt der Branche in Mittel- und Osteuropa, ist und heuer zum 45. Mal stattfindet, ist Österreich mit 82 Firmen vertreten. Insgesamt stellen - ebenso wie im Vorjahr - 2.300 Unternehmen aus 35 Ländern ihre Produkte aus. Die Messe, die bis zum 19. September 2003 läuft, rechnet mit etwa 100.000 Besuchern.