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Massenbeamtenhaltung und anderes

Von Engelbert Washietl

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Der Autor ist Vorsitzender der "Initiative Qualität im Journalismus"; zuvor Wirtschaftsblatt, Presse, und Salzburger Nachrichten.

Arbeitnehmervertretungen sind im staatlichen Bereich unerbittlich strukturkonservativ. Wenn es darauf ankommt, verbauen sie auch die Zukunft.


So wichtig Gewerkschaftsbewegung zur Ausbalancierung der Machtverhältnisse zwischen Arbeitgebern und Lohnempfängern auch sind - einzelne und zumeist staatsnahe Arbeitnehmervertretungen gebärden sich als Fundamentalverweigerer. Dass im Finanzamt Wien-Mitte auch Großraumbüros entstehen sollen, hat Finanzbedienstete so sehr beunruhigt, dass sie in einer Resolution an Finanzminister Josef Pröll vor physischen und psychischen Schäden warnen. Der Vorsitzende der Fraktion sozialdemokratischer Gewerkschafter in der Finanzgewerkschaft, Robert Isak, lässt sich zur bildhaften Aussage hinreißen: "Nach Abschaffung der Massentierhaltung per Gesetz darf es nicht zur Massenbeamtenhaltung in Großraumbüros kommen."

Nun kann von außen her zwar niemand feststellen, ob Großraumbüros im konkreten Fall fiskalischer Knochenarbeit sinnvoll wären, wohl aber darauf hinweisen, dass der Massentierhaltungsvergleich in der Privatwirtschaft die Schaffung von -zig Großraumbüros verhindert hätte, die weder physische noch psychische Schäden bei den Mitarbeitern verursachen, sondern eine vernünftige Kommunikation kreativer Menschen ermöglichen und somit die Produktivität steigerten.

Die ärarische Großraumkontroverse ist ein skurriles Zeichen einer generellen Tendenz, die auf Strukturkonservatismus hindeutet. Das Motto lautet: Jegliche Veränderung sofort stoppen. Zu den aufsässigsten Lobbys gehören die Eisenbahnergewerkschaft, die Personalvertretung der Lehrer, die Beamtengewerkschafter und die Postler. Unter ihren Augen wird ein so hehres Thema wie Verwaltungsreform zur Lachnummer.

Nach ein paar Wochen Diskussion um die Krankenstand-Daten bei den ÖBB - man hätte mindestens gleich intensiv über die überhöhten Krankenstände bei der Bundesbahn reden sollen - sind die Gewerkschafter des Staatsbetriebes heftig dabei, die Zahlen zu korrigieren.

Nachdem bekannt geworden ist, dass Bundesbahner mit 23 oder mehr Krankheitstagen pro Jahr doppelt so hohe Ausfälle verursachen wie ASVG-Versicherte, gräbt der Konzernbetriebsratschef Wilhelm Haberzettl nach langer Suchaktion Zahlen und Argumente aus, die zeigen sollen, dass auch bei den ÖBB die durchschnittliche Krankheitsdauer nur 13,89 Tage pro Jahr betrage. Mit einem Wort: Es kann alles so weitergehend wie bisher.

Analog dazu stößt das Ansinnen des Finanzstaatssekretärs Reinhold Lopatka, dass auch die Bundesländer Wien, Tirol und Salzburg ihre überhöhten Beamtenpensionen endlich dem Niveau des Bundes anpassen sollten, auf empörte Ablehnung. Zum Unterschied von den bisher aufgezählten Beispielen stellen sich hier gar nicht die Personalvertretungen, sondern gleich die Landeshauptmänner schützend vor ihre Klientel, so etwa der Wiener Bürgermeister Michael Häupl und der Präsident der Landeshauptleutekonferenz, Hans Niessl. Darin spiegelt sich die österreichische Realverfassung.

Bei den Lehrervertretern scheint die Lage hoffnungslos zu sein, was sogar Häupl aufgefallen ist, der sie aufforderte, endlich in den Kategorien von Ganztagsjobs zu denken. Die Verweigerung ist dort, wo es um Besitzstände geht, parteiübergreifend. AHS-Lehrervertreterin Eva Scholik von der Fraktion Christlicher Gewerkschafter nimmt im geplanten Lehrerdienstrecht nur "extreme Grauslichkeiten" wahr. Es wäre aber andererseits für Eltern und Schüler beruhigend, wenn sich die Lehrer gleich große Sorgen darüber machten, dass Österreichs Bildungsniveau ins Hintertreffen geraten ist.