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Massenflucht aus dem Süden

Von David Clarke

Politik

Verzweifelte Menschen versuchen sich in Sicherheit zu bringen. | Tyrus. (reuters) Vorbei an zerbombten Häusern, verkohlten Tankstellen und Fahrzeugwracks drängt der endlose Flüchtlingstreck über die libanesische Küstenstraße in Richtung Norden. An jedem der überladenen Autos und Minibussen flattert Weiß: T-Shirts, Plastiktüten und Lumpen - an Antennen, Kofferraumdeckeln und Fenstern wird jeder helle Stofffetzen zum verzweifelten Versuch, sich auf der Flucht nach Beirut gegen israelische Luftangriffe zu schützen.


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Zu fünft oder sechst drängen sich Menschen auf den Rückbänken der Fahrzeuge, um sich aus den israelischen Schusslinien im Süden des Landes in Sicherheit zu bringen.

In einem offenen Schiebedach steht eine Frau. Ihr Gesicht ist voller Staub, in ihrer Hand weht ein weißes Kleidungsstück. Die Zerstörungen am Straßenrand zeugen davon, wie berechtigt die Angst der Flüchtlinge ist. Auch im Beton der Straße selbst klaffen Einschlagkrater.

In Richtung Süden rasen Rettungswagen mit heulenden Sirenen. Auch ein UNO-Hilfskonvoi zieht mit zehn Lkw in das Gebiet, aus dem schätzungsweise 750.000 Menschen flohen. Seit mehr als zwei Wochen sind die Städte und Dörfer an der Grenze zu Israel unter Beschuss. Israel führt hier einen Krieg gegen die schiitische Hisbollah, nachdem diese am 12. Juli zwei israelische Soldaten entführte. Seitdem starben im Libanon mehr als 430 Menschen. Die meisten von ihnen waren Zivilisten.

Der UNO-Hilfskonvoi kommt voran, sein Ziel ist die Hafenstadt Tyrus. Auf einer schmalen, staubigen Straße kommt es zum Stau. Rund eine Stunde lang rollt die Flüchtlingskolonne an den UNO-Wagen vorbei. Den Flüchtenden wird Vorfahrt gewährt.

Über Tyrus donnern wieder und wieder israelische Kampfflugzeuge hinweg. Eine der Bomben legt einen Wohnblock in Schutt und Asche. Nachbarn klettern über die qualmenden Trümmer in der Hoffnung, Überlebende zu finden. Flammen schlagen hoch und beißender Rauch verpestet die Luft. In panischer Angst vor neuen Bomben stürmen die Menschen plötzlich auseinander. Einen sicheren Zufluchtsort gibt es hier nicht mehr.