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Massenuniversitäten oder Qualität mit Einschränkung: Politik muss handeln

Von Brigitte Pechar

Analysen

Das Modell der österreichischen Universitäten ist überholt. In diesem System sind alle Beteiligten unzufrieden: Die Studierenden, weil sie eine schlechte Betreuung haben, nicht ausreichend Platz finden und auch die Infrastruktur zu wünschen übrig lässt. Die Professoren, weil ihnen zu wenig Zeit für Forschung bleibt. Der Mittelbau, weil er unterbezahlt ist und wenig Aussicht auf ein ordentliches Anstellungsverhältnis besteht. Hinzu kommt, dass derzeit noch eine Mischung zwischen Beamtendienstrecht und neuem Dienstrecht besteht.


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Das Universitätsmodell ist aber auch von der Struktur her überholt: Es ist hierarchisch organisiert, viele Lehrende sind von Informationsflüssen abgeschnitten. Wissenschaftsministerin Beatrix Karl hat daher angeregt, über ein Faculty-Modell nachzudenken. Wie diese Faculty aussieht und welche Lehrende ihr angehören sollen, hat die Ministerin noch offen gelassen. In den USA sind praktisch alle Uni-Lehrer Faculty-Angehörige und haben weitgehend gleiche Rechte.

Die Universitäten sind zwar autonom, müssen aber die meisten Schritte mit dem Wissenschaftsministerium ausverhandeln - das wiederum auf das Finanzministerium angewiesen ist. Und da sind wir mitten im größten Dilemma: Die fehlenden Mittel. Die Universitäten haben sich in den 70ern zu Massenuniversitäten entwickelt, ohne dass die finanzielle Ausstattung auch nur annähernd damit einhergegangen wäre. 1975 waren österreichweit 75.000 Studierende an Universitäten inskribiert, heute sind es 270.000.

Die Massenuniversität hat den Vorteil, dass der Zugang für alle, die eine Matura oder eine Studienberechtigungsprüfung abgelegt haben, frei ist. Die Studierenden können ihr Fach frei wählen, es gibt keinerlei Beschränkungen (mit Ausnahme der Aufnahmetests in Medizin).

Der Nachteil liegt auf der Hand: Das Betreuungsverhältnis ist schlecht, die Qualität sinkt. Durch den Platzmangel wird die Freiheit der Studienwahl de facto bereits eingeschränkt. Wenn die Politik keine Zugangsbeschränkungen will, müssen die Mittel massiv erhöht werden, mehr Personal eingestellt und Uni-Bauten so rasch wie möglich vorangetrieben werden.

International geht die Entwicklung aber schon lange in eine andere Richtung. Das angloamerikanische Universitätssystem ist auf dem Vormarsch. Die Rektorenvertreter Hans Sünkel oder Christoph Badelt fordern seit Jahren eine Studienplatzbewirtschaftung. Demnach werden nur so viele Plätze vergeben, wie unter guten Bedingungen bewältigbar sind. Das bedeutet auch, dass die wenigen Plätze an die Fähigsten vergeben werden. Ein System, das zwar nicht egalitär ist, aber unsere Universitäten im internationalen Ranking-Spiel wieder zu einem Player werden ließe.

Für einen dieser beiden Wege muss die Politik sich entscheiden. Um diese Entscheidung kommt sie nicht herum.