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Maßgeschneiderte Therapie ist heute keine Utopie mehr

Von Petra Tempfer

Wissen

Neue Arzneimittel aus Biotechnologie sollen gezielt helfen. | Fokus auf seltene Krankheiten. | Bad Hofgastein. "Neue, biotechnologische Arzneimittel werden auf den Markt kommen, die bei seltenen und speziellen Krankheiten gezielt helfen sollen - aber auch ihren Preis haben werden", erklärt Andreas Engström, schwedischer Gesundheits-Experte, am Donnerstag im Rahmen des Europäischen Gesundheitsforums (EHFG) in Bad Hofgastein. Diese mittlerweile wichtigste gesundheitspolitische Fachveranstaltung der Europäischen Union findet heuer - von 1. bis 4. Oktober - bereits zum elften Mal statt.


Das Leitthema "Werte in der Gesundheit - von der Vision zur Realität" zieht sich wie ein roter Faden durch die Vortragsreihen. Gleich mehrere Experten widmen sich dem Thema der biotechnologischen Arzneimittel, an denen momentan vermehrt geforscht wird - um sie etwa bei Multipler Sklerose, Krebs oder seltenen Krankheiten gezielt einsetzen zu können und dadurch deren Wert für die Patienten zu erhöhen.

Zu den biotechnologischen Medikamenten zählen jene, die mit Hilfe lebender Organismen oder biologischer Systeme hergestellt wurden. Insulin etwa wird als erstes bedeutungsvolles Produkt aus der Biotechnologie angesehen.

Insulin aus Schweinen

Bereits in den 20er Jahren schaffte ein Forscher-Team, Insulin aus Schweinen und Kühen zu isolieren - um es anschließend Diabetes-Patienten zu injizieren. Allerdings stellte sich heraus, dass nur die wenigsten das tierische Insulin im Körper vertrugen. Daher wurde nach anderen Möglichkeiten gesucht - bis es schließlich zum entscheidenden Geistesblitz kam, und das für die Insulin-Produktion verantwortliche Gen daraufhin Bakterien eingepflanzt wurde.

Diese biotechnologische Herstellung funktionierte, die Bakterien produzierten menschliches Insulin durch die Rekombination des Erbmaterials, also der DNA.

Auf dieser Methode baute der Erfolg der Biotechnologie in der Medizin auf. Heute fokussiert die Forschung darauf, Medikamente auf einzelne Patienten maßzuschneidern - auf das individuelle genetische Muster jedes einzelnen abgestimmt. Dieser Mehraufwand komme zwar teurer, "dafür versichern wir aber, dass die Patienten jene Arzneimittel bekommen, die sie brauchen", betont Thomas Bols, Leiter der Schweizer Biotechnologie-Firma Amgen.

Langfristig gesehen kommen laut Richard Bergström, Verband der pharmazeutischen Industrie Schweden, kostspielige Medikamente sogar billiger. "Optimal behandelte Patienten sind weniger anfällig für Krankheiten", meint er.

Nicht-ökonomische Ziele

"Es geht nicht nur darum, dass man Geld durch die Medizin verdient", versicherte auch EHFG-Präsident Günther Leiner bei seiner Eröffnungsrede, "sondern dass man sich hier an die ethischen Werte erinnert und diese in den Vordergrund stellt." In der Gesundheitspolitik gehe es zuallererst um nicht-ökonomische Ziele, wie Lebensqualität und Sicherheit der Versorgung.

Um letztere für Patienten mit seltenen Krankheiten zu erhöhen, plant Leiner etwa, dass Salzburg zum Zentrum für die Schmetterlingskrankheit wird - bei dieser ist die Haut so empfindlich wie der Flügel eines Schmetterlings und empfindet bereits leichten Druck als starken Schmerz. Lediglich die Frage der Finanzierung ist laut EHFG-Präsident noch ungeklärt, "es wird diskutiert, ob sich die einzelnen Staaten beteiligen oder ob die EU-Kommission hier einsteigt."