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Maßnahmen sind Tropfen auf dem heißen Stein

Von Ina Weber

Politik
Mit Leistungskürzungen und Beitragserhöhungen wird versucht, das System zu sanieren. BB

Wie lange können Österreichs Gebietskrankenkassen noch zahlen? Das Defizit aller Kassen im Jahr 2004 fiel zwar mit 233,7 Mio. Euro weniger hoch als erwartet aus, dennoch muss man sich laut Hauptverband für die Zukunft etwas überlegen. Auch für die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) lässt der "Supergau" - der Bankrott - nicht mehr lange auf sich warten.


Die Rücklagen sind aufgebraucht, hohe Darlehen aufgenommen und die Kreditaufnahme läuft auf Hochtouren. "Solange die Banken noch zahlen, haben wir Geld", meint Christian Moder von der Burgenländischen Gebietskrankenkasse (BGKK). Die BGKK hat laufende Darlehen in der Höhe von 25 Mio. Euro und rechnet für 2005 mit einem Defizit von 24,5 Mio. Euro, allerdings ohne Berücksichtigung der Ausgleichszahlungen.

Welche Maßnahmen wurden bisher zur Entlastung der Krankenkassen getroffen? Im Zuge der Gesundheitsreform wurde die Kostensteigerung für Arzneimittel auf drei Prozent reduziert, Bemessungsgrundlage und Rezeptgebühr erhöht und Selbstbehalte bei Sehbehelfen eingeführt. Eine weitere Entlastung soll der Österreichische Strukturplan Gesundheit ab 2006 bringen.

"Brillenselbstbehalte schaffen es sicher nicht, die Krankenkassen zu sanieren", heißt es seitens der Vorarlberger Krankenkasse (VGKK). Die Ländle-Krankenkasse gehört dank Rücklagen zu den Nettozahlern, was den Ausgleichsfonds betrifft, erwartet jedoch für 2005 ein Defizit von 12,2 Mio. Euro. In einer gänzlich anderen Situation sieht sich die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK). "In absoluten Zahlen sind wir sicherlich am ärmsten dran", meint Jan Pazourek von der WGKK. Ein Defizit von 122,6 Mio. Euro für 2005 ist zu erwarten. Die Gesundheitsreform der Regierung habe keine finanzielle Konsolidierung der Krankenkassen gebracht, so Pazourek gegenüber der "Wiener Zeitung". Die Probleme würden aufgeschoben. "Wir schleppen uns über das Jahr 2006".

Auch die Niederösterreichische Gebietskrankenkasse hat keine Rücklagen mehr und rechnet 2005 mit einem Budgetdefizit von 50 Mio. Euro. "Die Beiträge nur um 5 Euro pro Patient und Monat erhöhen, und es wäre uns schon geholfen", heißt es. Die Gebietskrankenkasse in Kärnten vermeldet für 2005 voraussichtliches Budgetdefizit von 62 Mio. Euro (ohne Ausgleichszahlungen). Und während die Gebietskrankenkasse Steiermark mit einem Defizit von 100 Mio. Euro rechnet, wird die Oberösterreichische Krankenkasse voraussichtlich wieder positiv bilanzieren.

"Langfristig wird man sich etwas überlegen müssen", so die lakonische Bilanz des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger.