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Master und Bachelor - wem bringt es was?

Von Stephanie Dirnbacher

Wissen

Mehr Auswahl für Studenten und Unternehmer. | Herausforderung: Junge Mitarbeiter. | Wien. Österreich rüstet seine Hochschullandschaft auf: Bachelor und Master sind die Karrierebezeichnungen von morgen. Bei einer Veranstaltung der Fachhochschul-Studiengänge Wien der Wirtschaftskammer Wien (WKW) am Montag Abend nahmen die Teilnehmer die neuen Modelle genauer unter die Lupe: Was bringt das neue System, und welche Auswirkungen hat es auf die Personalentwicklung in Unternehmen?


#Vorgeschichte

Der Grund, dass an der akademischen Ausbildung herumgebastelt wird, ist der Bologna-Prozess. Vor beinahe acht Jahren einigten sich 29 europäische Staaten auf die Schaffung eines einheitlichen Hochschulraums. Nationale Abschlüsse sollten europaweit einfach vergleichbar werden, um in Folge die berufliche Anerkennung von Ausbildungen zu erleichtern. Bis 2010 sollen die Bologna-Ziele umgesetzt sein. Österreich hinkt im Vergleich zu anderen EU-Staaten mit seinen Maßnahmen hinterher. Michael Landertshammer, der Abteilungsleiter der Wirtschaftskammer Österreich, begründet das damit, dass die Umstellung der Universitäten auf das neue System hierzulande vorerst freiwillig war. Erst durch das Universitätsgesetz 2002 wurde der Prozess beschleunigt und die Rechtsgrundlage für die Einführung von Bakkalaureats- und Magisterstudien sowie für die Anwendung des europäischen Punktesystems (ECTS) geschaffen. Im Wintersemester 2007/2008 beginnen nun die ersten Fachhochschul-Studiengänge im neuen Bachelor- und Masterformat.

Raschere Ausbildung

Landertshammer zeigte sich am Montag begeistert von dem neuen System. "Man hat eine größere Auswahl", meinte er überzeugt. Nach dem nur sechssemestrigen, praxisnahen Bachelor-Studium könnten die Absolventen gleich in den Beruf einsteigen und sich nach der ersten Praxiserfahrung mit einem Masterprogramm weiterbilden und spezialisieren. Das käme nicht nur den Studenten, sondern auch den Unternehmen zugute. Studenten kommen nämlich rascher zu einem akademischen Titel und Unternehmen rascher zu jungen Mitarbeitern, die darüber hinaus auch stark praxisorientiert sind. Dafür müssten die Bachelor-Absolventen jedoch stärker begleitet werden, räumte Landertshammer ein. Oft würden sich die jungen Berufseinsteiger nämlich noch in einer Orientierungsphase befinden. Unternehmer sind deshalb gefordert, mit ihren Mitarbeitern Weiterbildungspläne für ein mögliches anschließendes Masterprogramm auszuarbeiten. Für Landertshammer ist das nicht unbedingt ein Nachteil. Der verstärkte Einsatz der Unternehmer würde sich positiv auf die Mitarbeiterbindung auswirken.

Den Optimismus des Abteilungsleiters teilt Peter Truzla, der Personalleiter von Henkel CEE, nicht. Gerade die geforderte Unterstützung der Bachelor-Absolventen ist für ihn der größte Kritikpunkt. "Wir investieren schon sehr viel in die interne Weiterbildung. Soll das jetzt eine Konkurrenz zu unseren Bildungsmaßnahmen werden?" fragte er sich. Truzla kritisierte auch die fehlende Transparenz der Ausbildungen in den Fachhochschulen. "Es ist schwer zu durchschauen, was hinter den Ausbildungsinhalten steht", erklärte er. Bei einem WU-Absolventen wüsste man hingegen, "was man bekommt."

Langfristige Planung

Und auch die Personalplanung wird schwieriger. Wegen des Stufensystems Ausbildung - Berufserfahrung - Ausbildung müsse man "mittel- und längerfristig planen", glaubt Katja Teuchmann von Deloitte/Wentner & Havranek.

Der Erfolg des Bachelors wird laut Landertshammer jedenfalls davon abhängen, wie sich dieser am Arbeitsmarkt durchsetzen wird. Wenn der Bachelor nur mit anschließendem Master-Titel akzeptiert wird, sei das "eine Katastrophe". Das Studium würde sich nämlich dann - anstatt sich zu verkürzen - verlängern.