Zum Hauptinhalt springen

Matte Vorstellung an Wiener Börse

Von Werner Michael Szabó

Wirtschaft

An der Wiener Börse blieb in der dritten Juniwoche das Kursniveau weitgehend unverändert. Damit hat der österreichische Aktienmarkt im Vergleich mit den europäischen Börsen, die meist schwächer tendierten, besser abgeschnitten. Allerdings war auch hierzulande die Entwicklung nicht gerade berauschend, denn internationale Investoren zeigen der Wiener Börse nach wie vor die kalte Schulter und auch die heimischen Interessenten zeigen wenig Lust für stärkere Engagements.


Positiv zu vermerken ist jedenfalls, daß der Markt bei einem ATX von 1.120 Punkten nach unten hin gut abgesichert zu sein scheint. Analysten werden indessen nicht müde, immer wieder auf das Potential des österreichischen Aktienmarktes und dessen offensichtliche Unterbewertung hinzuweisen. Bis Jahresende erwarten die Experten einen ATX-Stand von 1.240 Punkten und bis Mitte 2001 einen solchen von 1.320 Punkten. Vom derzeitigen Niveau aus wäre dies binnen sechs Monaten ein Anstieg um nahezu 10% und innerhalb der nächsten zwölf Monate ein solcher um mehr als 16%. Vorderhand fehlt es jedenfalls am notwendigen breiten Interesse. Dem Image des österreichischen Kapitalmarktes nicht gerade förderlich ist auf internationaler Ebene sicher auch die unglückliche Vorgangsweise bei der Privatisierung. Vielleicht ist es wirklich die Jumbo-Emission Telekom Austria, die dem heimischen Aktienmarkt zum heißersehnten Comeback verhilft. Der TA-Börsengang soll jedenfalls - wie es zur Zeit aussieht -noch heuer über die Bühne gehen.

Über die gesamte Woche gesehen hat es an der Wiener Börse ständig ein leichtes auf und ab gegeben, wobei am Schluß noch ein geringer Gewinn zustande gekommen ist. Nach der Feiertagsunterbrechung am Donnerstag hat der Handel den erwartet ruhigen Verlauf genommen. Viele Marktteilnehmer haben am Fenstertag überhaupt nicht in das Geschehen eingegriffen. Der ATX schloß die Berichtswoche mit 1.137,11 Zählern, gegenüber dem Vorwochenschluß ein leichter Anstieg um 0,2%.

Während sich also die Blue Chips gut halten konnten, haben die im ATX MidCap abgebildeten Werte um 0,3% verloren. Der alle Aktien umfassende WBI ist nur marginal von 477,77 auf 478,10 Punkte angestiegen. Im Vergleich zum österreichischen Aktienmarkt ist der Dow Jones Euro Stoxx um 0,7% und der Frankfurter DAX um 1,5% zurückgegangen.

Deutlich besser entwickelt haben sich die österreichischen Wachstums- und Technologiewerte sowohl im Vergleich zum Gesamtmarkt der Wiener Börse als auch im internationalen Vergleich. Der ViDX erhöhte sich im Wochenabstand um 1,1% auf 1.530,75 Punkte, während der Neue Markt in Frankfurt um mehr als 2% und die Brüsseler Easdaq sogar um 3,7% zurückgegangen sind.

Im A-Segment der Wiener Börse standen die Gewinner zu den Verlierern im Verhältnis 2:1. Stärker zulegen konnten Libro, VA Stahl und VA Tech. Die übrigen Kursanstiege blieben unter der 2%-Marke. Überraschend stark verloren haben Böhler-Uddeholm und Semperit. Mayr-Melnhof gaben um 2,7% und Wienerberger um 2% nach. Bei EVN erfolgte der Aktiensplit im Verhältnis 1:3. Der dadurch gedrittelte Wert lag nahezu auf dem Niveau der Vorwoche. Im B-Markt standen den festeren UNIQA (+3,6%) und AHT (+2,1%) die schwächeren CyberTron und Bau Holding Stamm (jeweils -3,5%) sowie Rosenbauer (-3,3%) und BBAG bzw. UIAG (jeweils -2,3%) gegenüber. Zum Teil sehr massive Kursausschläge waren wieder im C-Markt zu registrieren. Kräftig erhöht haben sich hier Messer igm Vorzug (+13,5%), Rath (+12,5%), Inku (+12,2%) und Maculan Holding (+11,4%). Massive Einbußen erlitten dagegen Viso-Data (-18,7%) und Hild Vorzug (-16,4%).

Werner Michael Szabó ist Redakteur der Zeitschrift "bankundbörse".